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Grabungskampagne 2008

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Kamid el-Loz 2008

10. Kampagne

Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg
Vorderasiatische Altertumskunde

Grabungsleitung: Prof. Dr. M. Heinz

SchnittleiterInnen
Jungfleisch, Johannes - Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg
Dr. Kose, Arno - Berlin
Linke, Julia, M.A. - Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg
Melchior, Michael - Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg
Miche, Marius - Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg
Müller, Jan, M.A. - Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg
Voss, Nora - Freie Universität, Berlin
Wagner, Elisabeth, M.A. - Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg

Keramik
Dr. Kulemann-Ossen, Sabina - Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg
Yahya, Hassan, Licence - Lebanese University, Beirut
Walther, Alexandra - Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg
Heinz, Anne-Sophie - Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg

Photograph
Krug, Christian - Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg

Zeichner
Leicht, Michael, freier Graphik-Designer, Freiburg

 


I. Vorbemerkungen zur Kampagne 2008

2008 wurden die Arbeiten in den Bereichen Osthang, Tempel, Wohngebiet im Tempelbereich und Palast fortgeführt, jeweils mit einer Facette von Zielen, die u.a. umfaßten: (siehe Taf. 1) 

  • das Anliegen, Einblicke in die Bauweisen von Wohnhäusern, Kult- und Repräsentationsbauten zu gewinnen,
  • die Verteilung von Funden auf Räume, Höfe und Gassen zu ermitteln, um darüber u.a. Aktivitäten in - und Funktionen der baulichen Strukturen ermitteln zu können,
  • Hinweise auf die Raumordnungen der Siedlungen zu verschiedenen Zeiten der Besiedlung zu erhalten,
  • Aufschluß über die Bestattungssitten zu gewinnen und u.a. das Wie und Warum des integrierten bzw. segregierten Miteinanders von Leben und Tod zu studieren,
  • Kontinuitäten und Wandel in der Siedlungsweise in Kamid el-Loz im Verlauf der Zeiten und unter unterschiedlichen politischen Rahmenbedingungen fassen zu können.
 

Die Tiefschnitte, Sondagen und das Abtiefen der Befunde auf die jeweils nächsten Bauzustände liefern zugleich die stratigraphischen und chronologischen Information für die Rekonstruktion des zeitlichen Rahmens der Besiedlungsgeschichte.

 

1. Der Osthang  

1.1 Wissenschaftliche Zielsetzung der Kampagne 2008 am Osthang (siehe Taf. 2)

Nach heutigem Kenntnisstand zeigt der Osthang eine Nutzungsgeschichte von der Spätbronzezeit II bis zur Zeit der römischen Besiedlung des Libanons. Seit 2002 konzentriert sich unsere Forschung am Osthang auf: 

1. die Analyse des Friedhofs, dessen Nutzung von der römischen über die hellenistische Zeit bis in die Phase Eisenzeit III (Perserzeit) nachgewiesen ist. Seit Beginn unserer Arbeiten auf dem Osthang sind dort mehr als 80 Bestattungen erfasst worden; 

2. die Untersuchung der eisenzeitlichen Besiedlung, zur Zeit am besten dokumentiert mit Haus 1 (Areal II-e-6 und Umgebung; Eisenzeit I (I/II?) 

3. die Analyse der spätbronzezeitlichen Besiedlung (SBZ II), zur Zeit am besten erfasst mit Haus 2 (Areale II-e/-d-7). 

Der Osthang bietet uns die Möglichkeit, die Siedlungsaktivitäten in Kamid el-Loz und die Nutzungsweisen dieses Siedlungsbereiches (mindestens) ab dem Übergang von der Spätbronzezeit (SBZ II) zur Eisenzeit (I-III) zu studieren. 2008 sollten die bislang bearbeiteten Grabungsflächen nach Norden, Osten und Westen ausgedehnt werden, um die weitere Verbreitung der Bestattungen am Osthang zu verfolgen und die Häuser 1 und 2 in ihrem baulichen Umfeld zu erfassen. Unser besonderes Interesse galt und gilt dem Geschehen in Kamid el-Loz im Übergang von der Eisenzeit I zur Eisenzeit II, der Zeit also, in der sich die BewohnerInnen von Kamid el-Loz zunächst mit dem Ende der ägyptischen Vorherrschaft und allen impliziten Konsequenzen konfrontiert sahen (EZ I) und der Periode, in der entlang der Küste die "phönikische Kultur" einen enormen Aufschwung erlebte (EZ II).

 

1.2 Beschreibung der 2008 durchgeführten Arbeiten am Osthang  

1.2.1 Gräber am Osthang (siehe Taf. 345678910)  

2008 hat die Freilegung der unerwartet hohen Anzahl an Gräbern im West- und Ostbereich des Osthangs unerwartet viel Zeit in Anspruch genommen und zugleich erneut erfreulich viele Informationen zum Bestattungswesen in den Phasen der perserzeitlichen und der hellenistischen Nutzung von Kamid el-Loz ergeben. Während im Verlauf der Grabungen von 1997 bis 2007 zusammen ca. 40 prä-römische Bestattungen erfasst wurden, hatten wir in der Kampagne 2008 in den Arealen II-d-5, II-d-6, II-d-7, II-e-6 und II-e-7, also in beiden Abschnitten des Osthangs, 21 Gräber zu dokumentieren.

Von den genannten 21 Bestattungen waren 9 durch Witterungseinflüsse stärker gestört. Mindestens eine Bestattung datiert in die Perserzeit (Areal II-d/e-7, Grab 2), 4 Bestattungen dürften hellenistisch sein (Grab 7 / Topfgrab und Gräber 6 und 8 in Areal II-d-6 sowie Grab 2 in Areal II-d-7). 7 Bestattungen sind chronologisch noch nicht zugewiesen, die Analyse findet zur Zeit statt. Die entsprechenden Gräber liegen in den Arealen II-d-5 (Gräber 2 und 3), Areal II-d-6 (Gräber 1, 2, 3 und 5), Areal II-e-6 (Grab 1). Bestattet wurden Kinder und Erwachsene, die Kinder in Grab 3 in Areal II-d-5, Grab 7 in II-d-6 und Grab 2 in II-d-5.

Zwei Gräber sollen hier pars pro toto im Detail bereits vorgestellt werden, alle anderen werden zur Zeit en détail analysiert und bearbeitet. Grab 3, Areal II-d-5 (siehe Taf. 4) enthielt die Bestattung eines jüngeren Kindes (ca. 3 - 5 Jahre). Das Kind war auf dem Rücken liegend, mit dem Kopf nach Südosten orientiert, bestattet worden. An seinem linken Handgelenk trug es ein Armband mit mehreren Perlen aus verschiedenen Materialien wie Muschel, Schneckengehäuse und schwarzem Stein. Befestigt waren an diesem Armband zudem 3 Fritte(?)perlen, eine (anthropomorphe?) Miniaturfigur und zwei glockenähnliche Anhänger aus Bronze (siehe Taf. 5 und 6).

Eine weitere, perserzeitliche Bestattung fand sich in Areal II-d/e-7, Grab 2 (Taf. 7). Das Grab der hier bestatteten Erwachsenen war mit einer Steinumrandung markiert, die Tote nach Ost-SO orientiert beigesetzt. Wie üblich bei den perserzeitlichen Gräbern fand sich auch hier eine Vielfalt an Beigaben (siehe Taf. 89), ein Armreif aus Bronze, zwei Fußreifen mit Tierkopfenden, eine Spinnwirtel, ein Bronzestäbchen, eine geknickte bronzene Bogenfibel, 2 bronzene Fingerringe, eine ritzverzierte Knochen(schmink)röhre mit zugehörigem Bronzestäbchen, 11 Silbergranulatperlen und eine Achatperle. Für die chronologische Zuordnung des Grabes ist insbesondere die bronzene Bogenfibel aussagekräftig, die in die Phase 490-465 v. Chr. zu datieren ist.1

Der Friedhof erstreckte sich - wie schon gewohnt und wie zu erwarten, über die gesamte Siedlungsfläche an Osthang, die Gräber waren z.T. direkt in die architektonischen Befunde der Eisenzeit und der Spätbronzezeit eingetieft und haben insbesondere im Westbereich des Osthangs zur Störung einiger architektonischer Strukturen geführt (siehe Taf. 10).

 

1.2.2 Der Osthang - Westabschnitt / Areale II-e-5, II-e-6, II-d-5, II-d-6  
(siehe Taf. 11 und 12)

Haus 1, Areal II-e-6 war (und ist) bislang noch nicht in seinem vollständigen Grundriß erfasst. 2008 sollte die weitere Untersuchung des Hauses zu dieser Rekonstruktion führen. Zur Erinnerung - Haus I wurde zur Eisenzeit I errichtet und in der Phase Eisenzeit I / II nachgenutzt. Flächengrabungen und Sondagen, angelegt in den o.g. Arealen, haben folgende Ergebnisse erbracht:

Die Arbeiten in Fläche 1, Areal II-e-5 sollten zunächst die bauliche Situation am Kreuzungspunkt der Mauern W2 / W3 des Hauses 1 klären. Es galt hier in einer kleinen Sondage zu überprüfen, ob beide Mauern jeweils weiter verliefen, sich also kreuzten oder eine Ecke bildeten. (siehe Taf. 11-12) Letzteres war der Fall. Westlich des Hauses 1 in Areal II-e-6 haben wir im Zuge dieser Untersuchung zugleich eine Begehungsfläche erfasst, die an Mauer W2,2 die westliche Mauer des Hauses 1, heranreichte. Auf dieser Begehungsfläche (Niv. 937,35 m) fand sich ein stark verbranntes Keramikinventar, bestehend aus mindestens fünf archäologisch vollständigen Gefäßen, darunter ein kleines dreifüßiges Räuchergefäß und mehrere Henkelgefäße mit Kleeblattausguss (siehe Taf. 41-44 und Bericht Keramik). Die Gefäße datieren in den Übergang Eisenzeit I / II, also in den Zeitraum, dessen Erforschung eines unserer Hauptziele in diesem Bereich darstellt. Datierendes Vergleichsmaterial findet sich u.a. in Tell el-Far’ah. (siehe Bericht Keramik)

In Fläche 2, Areal II-e-5 wurde eine Steinmauer W1/2008 (V) erfasst, erhalten in einer Länge von ca. 4,50 m und in Höhe einer Steinlage, die von SO nach NW verlief. An die Mauer grenzte im Nordosten eine Steinsetzung an, bei der es sich um die zerstörte Steinrandbegrenzung eines Grabes gehandelt haben könnte - Knochen waren allerdings hier nicht aufgefunden worden. Eine bauliche Anbindung der Mauer W1/2008 (V) an eine weitere Baustruktur war nicht erhalten und auch eine Verbindung mit Haus 1 nicht möglich. Stratigraphisch kann die Mauer dagegen zugeordnet werden - sie überlagert bzw. ist eingetieft in die massive Ascheschicht, die den Osthang in seinem Westbereich überzieht und ist zugleich zur Bauschicht 3 zu rechnen,3 die ihrerseits in den Übergang EZ I / II datiert. Mauer w1/2008 (V) ist somit dem Zeitraum EZ I /II - EZ II zuzuschreiben. Zukünftige Untersuchungen im Westen des Hauses 1 lassen diesen Ergebnissen zufolge weiteren Aufschluß über die Übergangszeit EZ I / II erwarten, die Entwicklungsphase, deren Rekonstruktion uns u. a. am Osthang besonders interessiert.
Mauer W1/2008 (V) ebenso wie die Ascheschicht wurden auf der gesamten erhaltenen Fläche auf den nächst älteren Befund abgetragen. Es stellte sich heraus, daß die Mauer W1/2008 (V) auf einer Vorgängermauer errichtet worden war, Mauer W3/2008 (V), und deren Verlauf nachvollzog. Auch für Mauer W3/2008 (V) hatte sich keine weitere bauliche Anbindung erhalten. Drei Vorratsgefäße waren südwestlich der Mauer bei 937,15 m in die zugehörige Begehungsfläche eingetieft. Keramik und Befund datieren in die Eisenzeit I / II.

Westlich von Haus 1 sind somit in den Flächen 1 und 2/Areal II-e-5 erstmals in 2008 zwei Bauschichten der Phase EZ I / II freigelegt worden. Obwohl noch kein veritabler Hausgrundriß rekonstruierbar ist, verweist das Auftreten der Keramikinventare bereits auf Akti-vitäten und Funktionen, die hier ausgeführt worden bzw. angesiedelt gewesen sind – Haushaltsaktivitäten und Vorratshaltung.

Mit weiteren kleineren Flächengrabungen und Sondagen wurde 2008 auch der Bereich nördlich des Hauses 1 sondiert. Der Befund und damit unsere Arbeiten waren dort maß-geblich geprägt durch das Auftreten der Gräber und deren Analyse. Wir haben zunächst zwei Testschnitte entlang dem Ostrand des Areals II-d-5 abgetieft auf Niveau 936,6m bis 936,2m. Der südliche Schnitt zeigte bei Niveau ca. 936,9 m (höchstes Niv.) Reste einer Steinmauer, die zugehörige Keramik datierte diese in die EZ I / II.

Im nördlichen Schnitt lagen bei Niveau 936,56 m (tiefstes Niveau) (die noch nicht feinchronologisch bestimmten) Gräber 2 und 3 (Areal II-d-5). In Areal II-d-6 öffneten wir zwei weitere Flächen, in denen sowohl die Mauern w4/2008 (V) in Fläche 2 / II-d-6 wie auch die Mauern w2 und w5a/w5b (alle 2008 (V)) in Fläche 1 auftraten. Zwischen und neben den Mauerresten, die jeweils keinem größeren Baubefund zuzuweisen waren, traten die schon erwähnten jüngeren Bestattungen auf. Architektur und Gräber werden zur Zeit hinsichtlich ihrer chronologischen Zuordnung analysiert. In einem weiteren Testschnitt in der Südwestecke des Areals II-d-6/Süd wurde bei Niveau 935,5 m (Endniveau) spätbronze-II-zeitliche Keramik erfasst, diese aber noch ohne baulichen Befund.

 

1.2.3 Der Osthang - Ostabschnitt / Areale II-e-6, II-e-7 II-d-6, II-d-7, II-d-8   

Haus 2 konnte in seinem Grundriß (siehe Taf. 12) durch die Erweiterungen der Arbeiten zunächst nach Norden auf Areal II-d-7 ergänzt werden. Die Mauern W14 (Areal II-e-7), W1/2008 (L) und W2/2008 (L) (Areale II-d-7 bis II-d-6 und II-e-6) sowie die Mauern W2a/2008 (L) (Areal II-e-6) und Mauer W2b/2008 (L) (Areal II-e-7) bilden zusammen einen neuen Raum dieses Hauses, das in diesem Bauzustand in die Phase SBZ II datiert. Der Zugang zum Raum erfolgte über den Süden (Areal II-e-7), dort über einen kleinen Eingangsraum. In diesem Eingangsbereich liegt ein tannour, von dem wir z.Zt. annehmen, dass dieser in die jüngere eisenzeitliche Nachnutzung des Hauses gehört hat (der hier sogenannte Eingangsraum hätte dann in der Nachnutzung die Funktion des "Windfangs" übernommen, wie in Kamid el-Loz bereits mehrfach nachgewiesen.)
Die Erweiterungen der Arbeit nach Norden haben zugleich neue Einblicke in die Strati-graphie des Standortes und damit auch in die Chronologie der Besiedlung des Osthangs ergeben. Die Mauer W2/2008 (L) mit Steinfundament und einem Aufbau aus ungebrannten Ziegeln zieht im westlichen Bereich unter die Mauer W4/2008 (L), d.h., es ist eine mehrphasige oder vielschichtige Bebauung zur Spätbronzezeit II zu erwarten, d.h. ferner, die Siedlung der Spätbronzezeit II hat mehrere Umbauten erfahren. (siehe farbige Markierung auf Taf. 12) Dass wir jetzt bereits von mehreren Umbauten sprechen, ist den Ergebnissen unserer Sondage hier in der Kampagne 2007 geschuldet. Diese Sondage, abgetieft in der Südostecke des Areals II-e-7, Raum 3 des Hauses 2, reichte bis 2 m unter die anstehenden Mauern des Hauses 2, erbrachte auch dort spätbronzezeitliche Keramik und einen Ofen. Der 2008 neu erfasste Raum ist mit sorgfältig behauenen und auf der Oberfläche geglätteten Steinplatten ausgelegt - zwei Phasen dieses Fußbodens sind belegt. Eine jüngere Steinsetzung hat sich in der Raummitte erhalten (Niv. 936,0 m), der ältere Plattenbelag reicht an Mauer W14 heran (Niv. 935,40 m). Vergleichbare Steinböden zeigen die Häuser der spätbronzezeitlichen Siedlung um den Tempel, die bereits in der Phase SBZ I errichtet wurden. Angrenzend an diesen 2008 freigelegten Raum in Haus 2 fand sich eine bisher einzigartige Baustruktur: eine nahezu quadratisch angelegte Steinsetzung, einlagig, die außen, östlich an die Mauer w1/2008 (L) angebaut worden war. Ihre Nutzungsweise bzw. die Funktion dieser Plattform ist zur Zeit noch nicht geklärt.

Eine zweite Installation konnten wir nordöstlich des Raumes freilegen. Paßgenau war hier ein Rundbau aus sehr sorgfältig bearbeiteten Steinen in exakter Kreisform angelegt (Durchmesser 3,50 m) und an die Mauer w2/2008 (L) angebaut worden. Auch die Funktion dieses Rundbaus, der mit Steinen verfüllt war, ist bis dato unbekannt.4


Obwohl Haus 2 und der Rundbau in der beschriebenen Weise baulich exakt miteinander verbunden sind, haben sowohl die Bauform als auch die außerordentlich sorgfältige Bearbeitung der Steine die Frage nach der chronologischen Zugehörigkeit des Rundbaus aufgeworfen. Ein zeitlich späterer Anbau an Haus 2 kann zwar z. Zt. nicht ausgeschlossen werden, solange aber keine eindeutigen datierenden Belege gegen die Zugehörigkeit zur SBZ II sprechen, bleibt die Datierung vorläufig wie gehabt (SBZ II).
In der Umgebung des Hauses 2 sollten zudem kleinere Flächengrabungen die Nutzungsweisen des Geländes bzw. die baulichen Befunde klären. In Areal II-d-8, östlich angrenzend an Areal II-d-7 haben wir eine Fläche von 2 x 3 m geöffnet, ohne daß bauliche Strukturen bis zu einer Tiefe von 934,10 m (Abtiefen der Fläche um ca. 1 m) aufgetreten wären. Die im Erdreich aufgelesene Keramik datiert in die römische Zeit, eine chronologische Zuweisung, die nicht überrascht. Wir erwarten, dass sich in Areal II-d-8 die römischen Strukturen, die bereits in Form von Haus III im Areal II-e/f-8 großflächig gegraben wurden5 und in Areal II-e-7 in Haus 2 (! SBZ II) eingetieft worden sind, ggf. fortsetzen werden.

Sondiert wurde 2008 auch der Bereich westlich des Hauses 2, die Areale II-e-6 und II-d-6, die grabungstechnisch bereits die Verbindungsfläche zum Westabschnitt bilden (s.o.). Ziel der Westerweiterung war es, auch hier den Aufschluß über die Besiedlung des Bereiches sowohl zur Eisenzeit als auch zur Spätbronzezeit zu gewinnen.

Um die Fortsetzung der Mauer w2/2008 (L) (SBZ II) zu erfassen, wurde ein Schnitt im Osten der Areale II-e-6/II-d-6 geöffnet. Mauer w 2/2008 setzt sich in der Tat nach Westen fort (Areal II-e-6). In der Sondage wurde zugleich eine weitere spätbronzezeitliche Struktur freigelegt, bestehend aus den Mauern w5/2008 (L), w4/2008 (L) und w3/2008 (L). Die Mauern gehören zu einem Mauerverbund und überbauen den neu erfassten Raum 2008. D.h., stratigraphisch zeigt die Siedlung hier zwei Bauschichten, die von der Keramik her beide in die SBZ II datieren. Zu dieser neuen Struktur gehört unmittelbar an Mauer w4/2008 (L) heranreichend ein weiterer Plattenboden (Niv. 936,40 m) und vermutlich auch der jüngere Plattenboden im neuen Raum 2008 (Hanglage von Nord nach Süd abfallend!). Im Erdreich westlich und östlich dieses Mauerverbundes wurde u.a. mykenische Keramik (siehe Taf. 40 e) aufgefunden (SBZ II). (Die detaillierte stratigraphische Auswertung dieses Bereichs findet zur Zeit statt).

Unsere Sondage (siehe Taf. 13) in den Arealen II-d/e-6 sollte vor allem Einblicke in die Stratigraphie der dortigen Bebauung erbringen. Der Mauerverbund wurde daher abgetragen, um die nächst ältere Bauschicht zu klären. Im Norden der Sondage wurde dabei Mauer w7/2008 (L) in Areal II-d-6 erfaßt. Ob Mauer w7/2008 (L) die westliche Verlängerung einer Steinsetzung darstellt, die in Areal II-d-7 an den Rundbau heranreicht, oder ob diese Steinsetzung Teil einer Abstützung des Rundbaus ist, (siehe Taf. 14) wird sich in der nächsten Kampagne erweisen, wenn die Stege abgebaut werden. Keramikanalysen datieren Mauer w7/2008 (L) in die Späte Bronzezeit II, vom Nivellement der Mauer w7/2008 (L) her dürfte diese zum Baukomplex des neu erfassten Raumes 2008 gehören.
 
 

1.3 Erste Ergebnisse  

Am Osthang konnten wir 2008 die Ausweitung des Friedhofs weiter verfolgen, vor allem aber konnten wir auch Besiedlungsnachweise für die Entwicklungsphase EZ I / II im Westen der Grabungsfläche erbringen. Der Nachweis der Siedlungsaktivitäten zur Eisenzeit in Richtung Westen ist für die zukünftigen Grabungen insofern von großem Interesse, als daß mittelfristig die Osthanggrabungen und die Grabungen auf der sog. Kuppe, die bereits 2004 den Nachweis der eisenzeitlichen Besiedlung dort erbracht haben, verbunden werden sollten. Die Ergebnisse von 2008 haben ferner die Ergebnisse der Grabung 2007 hinsichtlich der spätbronzezeitlichen Besiedlung auf dem Osthang bestätigt und zugleich – vor allem im Ostbereich bereits deutlich erweitert – die spätbronzezeitliche Siedlung wird sich, wie später die eisenzeitliche Siedlung, weiter nach Westen ausgedehnt haben. Die Verbindung der Osthanggrabung und ihrer Ergebnisse mit den Ergebnissen in Tempel und Palast entwickelt sich seit 2007 zu einem neuen Forschungsfeld in Kamid el-Loz.

Die Einbindung aller 2008 gewonnenen Befunde in die 2007 für Kamid el-Loz erstellte Stratigraphie sowie deren chronologische Zuweisung erfolgt zur Zeit durch die DFG-finanzierten MitarbeiterInnen sowie durch weitere MitarbeiterInnen des Instituts für Vorderasiatische Archäologie der Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg.

Funktionen und Aktivitäten am Osthang sind in einem abschließenden kurzen Überblick bereits zu nennen: Soweit bisher ersichtlich, dienten die Häuser am Osthang, sowohl die der Späten Bronzezeit als auch die der Eisenzeit I/II, in erster Linie Haushaltsaktivitäten. Der Gebrauch von sog. "Palast-Ware" am Osthang ist zur Zeit Gegenstand der Untersuchung u.a. im Hinblick auf die Funktionen eines Siedlungsbereiches, in dem die BewohnerInnen über den Zugang zu entsprechenden Güter verfügten. 

 

2. Der Tempelbereich Areale I-f-12 bis I-f-15/16, I-g-12 bis I-g-15  

2.1 Wissenschaftliche Zielsetzungen der Kampagne 2008 im Tempelbereich 
(siehe Taf. 15 und 16)

Im sog. Tempelgebiet sind wir 2008 in drei einander benachbarten Bereichen jeweils spezifischen Anliegen und Fragestellungen nachgegangen – Grabungsbereich 1 / Areale I-f-12, 13 und I-f-/g-14, Grabungsbereich 2 / Areale I-g-12 bis 14/15, Grabungsbereich 3 / Areale I-f-15, I-g-15 und I-f-16. 

In Grabungsbereich 1 sollten die Häuser und die Straße der Späten Bronzezeit unter Beibehaltung der spätbronzezeitlichen Bauten stratigraphisch untersucht und die chrono-logische Zuweisung der jeweils nächst älteren Bebauung erreicht werden. Entlang einer Südwest-Nordost-Achse haben wir Sondagen von je ca. 1 m Breite angelegt – diese zunächst in den Häusern nördlich der Gasse, E, D, C und I und dort in den Räumen Rt21, 22, 13, 8/2, in den Höfen Ct8/1 und 9, im Gebiet nördlich der Wt50 sowie in der Freifläche nördlich und westlich von Raum Rt22 / Gebäude E (siehe Taf. 15). Den Versuch, die Sondagen so zu orientieren, daß diese ein fortlaufendes Profil ergeben würden, machte die Realität, d.h. die Lage der einzelnen Räume, zunichte. Eine andere Vorgehensweise wurde nötig: Die Schnitte mussten entsprechend der Größe und des Kontextes jedes einzelnen Raumes angelegt werden. Die Sondierungen wurden im Verlauf der Kampagne auch auf den südlichen Siedlungsbereich ausgedehnt und hier in den Räumen Rt2, 3 und 1/1 des Hauses A, in den Räumen Rt5 und 7 und in Hof Ct6 des Hauses B sowie in den Räumen Rt19 und 18 des Hauses H durchgeführt. 

Grabungsbereich 2, (siehe Taf. 15) der sich über die Areale I-g-12, 13 und 14/15 erstreckt, sollte wie in den Jahren zuvor nach Süden und Westen erweitert werden, um so sukzessive den Siedlungsplan der spätbronzezeitlichen Siedlung rekonstruieren zu können. Bis 2007 haben wir so vor allem die Siedlung der Spätbronzezeit I erfasst. Anzeichen einer Nachnutzung (squatter-Besiedlung) der Gebäude während der SBZ II sind in verschiedenen Bereichen der Siedlung nördlich und südlich der Straße nachgewiesen.

Mit dem 3. Grabungsbereich (siehe Taf. 15) haben wir die Grabungsfläche nach Osten auf die Areale I-f-15/16 sowie I-g-15 erweitert, um dort weiteren Aufschluß über die Kultbauten der Spätbronzezeit I und der Mittelbronzezeit II zu gewinnen.6

  

2.2 Beschreibung der Befunde und erste Ergebnisse 

2.2.1 Grabungsbereich 1 (Siehe Taf. 15-16 ) 

 2.2.1.1 Sondagen in den Häusern E, D, C und I - nördlich der Straße 

In den Räumen Rt21 und Rt22 des Hauses E traten ab einem Niveau von 934,95 m, d.h. ca. ab (!) 20 bis 30 cm unter dem Fußbodenniveau des spätbronze-I-zeitlichen Hauses zwei bzw. drei Mauern zutage, W2/2008 W3/2008 und W5/2008 (OK: 934,6m bei W2/2008, 934,95m bei W3/2008 und 934,10m bei W5/2008), von denen zwei (W2 und 3) parallel zum aufgehenden Mauerwerk von Haus E verlaufen. Mauer Wt32 von Gebäude E wurde dabei ergänzend ergraben. Eine dritte Mauerstruktur W5/2008 deutet sich in Raum Rt21 an, sie verläuft, soweit auf Grund des beschränkten Raumes erfassbar von SW-NO. Die Mauern W2/2008 und W3/2008 repräsentieren eine andere und jüngere Nutzungsschicht als eben diese Mauer W5/2008. Der Keramik nach, die mit diesem Vorgängerbau erfasst wurde, handelt es sich - zumindest bei den beiden jüngeren Mauern - um einen spätbronze-I-zeitlichen Befund, d.h. die Siedlung weist im Bereich des Hauses E mindestens zwei Bauschichten der Phase SBZ I auf.

Eine Sondage in Haus D, Raum Rt13 (abgetieft ab Niv. 934,7m) erbrachte eine Mauersetzung (Verlauf SW-NO), die in ihrer Orientierung geringfügig von der der jüngeren Gebäudemauern abweicht. Auf dem tiefsten bisher erfaßten Niveau von 933,79 m fand sich dicht neben dem Mauerzug eine mit Steinen umsetzte Feuerstelle. Die Keramik, die mit dieser Mauer vergesellschaftet auftrat, datiert den Befund in die Mittlere Bronzezeit (II).
Beide Häuser, E und D, enthielten neben keramischen Funden einige Hammersteine, Reibsteine und Reibschalen (siehe Taf. 17 und 18) sowohl in den mittelbronzezeitlichen als auch den spätbronzezeitlichen Kontexten. Die feinchronologische Auswertung der Sondagen und die schichten- und befundspezifische Darstellung der Ergebnisse sowie ihre Integration in die 2007 erstellte Schichtensystematik werden zur Zeit vorbereitet.

Die Situation in Haus C und vor allem im Hof Ct8/1 unterschied sich von der der östlich angrenzenden Häuser. In der hier durchgeführten Sondage fand sich auffallend wenig und zudem stark verwitterte Keramik der Mittleren Bronzezeit II.

Raum Rt23 in Haus I wurde bereits 2007 sondiert und in der Sondage eine Mauer aus der Mittleren Bronzezeit II erreicht. 2008 öffneten wir auch den nördlich angrenzenden Raum, der ebenfalls Inventar aus der Mittleren Bronzezeit II enthielt.

In den Häusern C, D und E wurden noch weitere Sondierungen vorgenommen, die nicht dem stratigraphischen Aufschluß dienten, sondern den Verlauf der Mauern Wt20 (Haus C), Wt28 (Haus D) sowie Wt31 (Haus E) klären sollten. Alle drei Mauern, Wt20, Wt28 und Wt31 brechen ab, d.h. sie sind auf dem Niveau der anstehenden Häuser nicht mehr fassbar. Wann und wie die Zerstörung erfolgt ist, ob bei der Überbauung des Geländes in der SBZ II oder im Zuge der von uns konstatierten "squatter" - Nutzung der Häuser ebenfalls während der SBZ II, ist nicht mehr feststellbar.
 

2.2.1.2 Sondagen in den Häuser A, B und H - südlich der Straße 
(siehe Taf.15-16)

Auch in den Häusern A, B und H südlich der Straße wurden in zahlreichen Sondagen Nachweise für die Nutzung des Siedlungsbereiches in der Mittleren Bronzezeit II erzielt.
In Raum Rt3/Haus A lag der neu freugelegte Mauerzug w6/2008 (Oberkante bei Niv.933,95) ca. 40 cm unter dem bisherigen Fußbodenniveau und datiert der Keramik zufolge aller Wahrscheinlichkeit in die Mittlere Bronzezeit. In Rt2, ebenfalls in Haus A wurde unter dem ehemaligen Fußbodenniveau von 934,4 m ein weiterer Fußboden auf einer Höhe von 934,00 m aus sehr hart gestampftem Lehm freigelegt.

Auf diesem Fußboden fanden sich Reste eines Gefäßes (FS15) und zahlreiche weitere Scherben sowie die Reste einer Tannourwandung. Sie deuten Haushaltsaktivitäten in diesem Bereich an. Die keramische Analyse datiert diesen Befund in die Späte Bronzezeit I.

Raum Rt1/1 des Hauses A enthielt eine Besonderheit. Beim Abtiefen der Sondage stießen wir hier zunächst auf einen mit Steinplatten ausgelegt Fußboden. Auf dem Fußboden lagen in situ zwei Krüge, einer davon bemalt (siehe Taf.19). Beide Gefäße werden in die Späte Bronzezeit I datiert. Im Verlauf der weiteren Grabungen wurde der Steinfußboden zum großen Teil abgetragen (Unterkante Steinfußboden 934,20 m), um die mittelbronzezeitlichen Strukturen zu erreichen. Die darunter liegende lehmige Schicht (bis auf Niv. 933,7 ergraben) enthielt mittelbronze-II-zeitliche Keramik.

In Gebäude B wurden die Räume Rt5 und Rt7 sowie der Hof Ct6 in seinem nördlichen Bereich geschnitten: Zusammenhängende oder klar abgrenzbare bauliche Strukturen wurden bisher in keinem der Bereiche erfaßt: In den Räumen Rt5 und Rt7 haben wir ein Niveau von 934,0 m erreicht. Für Raum Rt5 lässt sich hier mit Sicherheit eine mittelbronzezeitliche Schicht nachweisen. Die in der Sondage in Rt7 enthaltene Keramik datiert (en gros) in die Spätbronzezeit I. Hof Ct6 enthielt mehrheitlich mittelbronzezeitliche Keramik, die Grabungen wurden bei einem Niveau zwischen 934,00-933,8 m eingestellt. Der Schnitt in Hof Ct6 zeigt im Südprofil einen Holzpfosten, in einem Türangelstein und dokumentiert somit eine Eingangssituation.

In Areal I-g-14 wurden die Räume Rt18 und Rt19 in Gebäude H weiter abgetieft. Dabei traten in Rt18 zahlreiche verkohlte Holzbretter zu Tage, sie fanden sich neben einem Reibstein (EF1/I-g-14) auf einem fest gestampften Fußboden (Niv 935,10m) (siehe Taf. 20). Soweit ersichtlich, zieht der Fußboden unter die anstehenden Mauern des Gebäudes H und stellt somit eine ältere Bauschicht dar. Die Keramik aus dieser Sondage datiert in die Späte Bronzezeit (I). Auch in Raum Rt19 wurde eine Sondage angelegt, diese Sondage erbrachte deutlich mittelbronzezeitliches Material.

 

2.2.1.3 Fazit - Sondierung der Wohnhäuser im Grabungsbereich 1

Eines unserer Grabungsziele im Wohngebiet lag 2008 darin, Aufschluß über die jeweils nächst ältere Bebauung unter den einzelnen Häusern der spätbronzezeitlichen Siedlung (SBZ I) zu gewinnen. Mit der extrem zeitsparenden Methode der Raumsondage ist dieses Ziel gut erreicht worden - die Arbeitsweise soll in den folgenden Kampagne zunächst so fortgesetzt werden. Die Häuser zeigen nach heutigem Wissensstand mehrere Bauschichten in der SBZ I. Eine dem vorangegangene mittelbronze-II-zeitliche Bebauung bzw. Nutzung konnte ebenfalls zweifelsfrei nachgewiesen werden.


2.2.2 Grabungsbereich 2 

2.2.2.1 Areal I-g-12 

Im südlichen Siedlungsbereich lag unser Interesse weiterhin darin, mit der Ausweitung der Flächen die Art der Bebauung und die sich ergebende Siedlungsstruktur dort zu verfolgen. In Areal I-g-12 haben wir zunächst die Westmauer des Hauses F erfasst, W20/2008 und im Rahmen dieser Untersuchung zugleich mit den Mauern W19 + W21/2008 und W22/2008 den ersten Raum / Hof eines weiteren Hauses westlich von Haus F, und diesem direkt benachbart, dokumentiert (Siehe Taf. 21, oben)). Wie schon in einigen anderen Häusern dieser Siedlung hatte man auch hier den Fußboden mit sehr sorgfältig geglätteten Steinplatten ausgelegt. Die Keramik, die aus diesem Raumtrakt geborgen werden konnte, datiert den Raum in die Späte Bronzezeit. In den Füllschichten über den Strukturen wurden unter anderem ein Bronzemesser (KL2/I-g-12), eine Bronzepfeilspitze (KL1/I-g-12) sowie Reste von Reibsteinen (EF3,4,8/I-g-12) gefunden.

 

2.2.2.2 Areale I-g-13, I-g-14 (I-g-15) (siehe Taf. 2221 unten) 

Nach Süden haben wir die Grabungen zunächst an den Häusern H, B und F wieder aufgenommen (Areale I-g-13, I-g-14 (I-g-15)). Die südwestliche Ecke des Raumes Rt17 in Haus F (Mauern Wt43 und Wt42) wurde erfasst und zugleich südlich dieser Ecke eine Begehungsfläche aus Asche und Lehm freigelegt, die sich weiter nach Süden erstreckte. Um die südliche Begrenzung dieser Fläche zu fassen, wurde das Areal nach Süden geöffnet und dabei zugleich die Mauer Wt38 nach Süden über ca. 2 m bis in das Areal I-g-14 (= w13/2008) verlaufend freigelegt. Im Zuge dieser Flächenerweiterung trat ein neuer Mauerzug zutage, w9/2008, der von NO nach SW diagonal durch die Areale I-g-15 (West) bis I-g-13 verläuft und die Mauern Wt38, w17/2009 (Fortsetzung der Wt35) und Wt36/2 der Häuser B und H überbaut, d.h. im Süden der bisher gegrabenen Häuser wurde 2008 ein weiterer Hinweis auf einen Umbau, möglicherweise auf eine funktionale Umwidmung der spätbronze-I-zeitlichen Siedlung erfasst.

Die massive Steinmauer von mindestens 1 m Breite ist in einem Zug errichtet worden und zeigt (bislang) einen Durchgang nahe ihrem westlichen Ende (siehe Taf. 16, Taf. 21 unten). Die Mauer w9/2008 biegt nach Norden in die Mauer w10/2008 um. Im Osten scheint die Mauer w9/2008 in Areal I-g-14/15 zu enden. Zur Zeit hat es den Anschein, als sei beim Bau der neuen Mauer w9/2008 die ältere Struktur im Osten genutzt worden, d.h., die ältere Mauer Wt36/2 des Hauses H scheint in die Struktur des neuen Hauses integriert worden zu sein. Die durchgehende Mauer w9/2008 bildet die nördliche rückwärtige Mauer von bislang 5 Räumen aufgeteilt in drei kleinere Räume im Westen (siehe Taf. 1621 unten), einschließlich des Eingangsraumes, sowie zwei Räume im Osten, von denen einer mit den Maßen 2,5m auf 5,5m etwas größer als die anderen ist. In diesem größeren Raum (gebildet von den Mauern w15/2008 und w16/2008) fand sich eine Installation in der SW-Ecke. Bei der Installation handelt es sich um eine regelmäßig und dicht gesetzte, leicht ovale Steinsetzung noch unbekannter Funktion. Des weiteren konnte ein Vorratsgefäß südlich der w9/2009 in diesem Raum freigelegt werden.

In dem nördlich davon gelegenen Raum (nördlich der w9/2008 und südlich der Wt36) (Gebäude H), wurde eine Steinschale in situ auf dem Fußboden geborgen (siehe Taf. 23) und ein größeres Stück unverbranntes Holz aufgefunden. Im sog. Eingangsraum im Südwesten der Mauer w9/2008 fand sich in der NO-Ecke ein weiteres Gefäß (FS 17).


Abschließend lässt sich festhalten, dass die diagonale Mauer w9/2008 die südlichen Bereiche der Häuser H und B überbaut und somit jünger ist als diese. Die stratigraphische Beobachtung wird durch die chronologische Zuweisung der hier aufgefundenen Keramik noch präzisiert: die neue Mauer w9/2008 und die zugehörigen Raumeinheiten südlich der Mauer datieren in die Spätbronzezeit II.

 

2.2.3 Grabungsbereich 3 (siehe Taf. 24-25)  

Areal I-f-15 liegt östlich der spätbronze-I-zeitlichen Siedlung (I-f/g-14 bis I-f/g-12) und westlich des Bereiches, in dem wir bereits 1999 ein Gebäude aus der Mittleren Bronzezeit II zu Teilen freilegen konnten (Areal I-f-16, "temple-building").
2008 haben wir zwei Sondagen in Areal I-f-15 geöffnet und in beiden traten massive Steinstrukturen auf. Die Mauer w7/2008, von NW nach SO verlaufend, ist bislang mit keiner Gebäudestruktur zu verbinden. Nach Westen ist die Verbindung der Baustrukturen der Wohnsiedlung mit dieser Mauer w7/2008 unterbrochen, d.h. die Überbauung, die hier im Verlauf der Spätbronzezeit II stattgefunden hatte, dürfte den älteren SBZ I –Befund gekappt haben. Entsprechend brechen auch die Mauern w 16 und w 4 des Hauses A unvermittelt ab.

Ca. 1,50 m weiter östlich verläuft parallel zu Mauer w7/2008 die Mauer w4/2008, die mit der West-Ost-verlaufenden Mauer w 8/2008 eine Raumecke bildet. Mauer w4/2008 ist gut erhalten, Mauer w8/2008 nach Norden verstürzt. Im Zwickel der Mauern w4/2008 und w 8/2008 fanden sich Reste einer verbrannten Ziegelsetzung, dem Fußboden des Gebäudes, das offenkundig durch Feuer in Mitleidenschaft gezogen worden war. (siehe Taf. 25) Der Versturz der Mauer w8/2008 dürfte ggf. auf diesen Brand zurückzuführen sein. Von der verbrannten Fußbodenschicht ausgehend haben wir eine weitere Sondage nach Osten bis auf die Mauer des mittelbronzezeitlichen Gebäudes in I-f-16 abgetieft (tiefstes erreichtes Niveau Niv. 933,08m). Während im Bereich des verbrannten Ziegelbodens Keramik der Spätbronzezeit I aufgefunden wurde, fand sich auf dem Boden der Sondage (Niv. s.o.) erwartungsgemäß Keramik der MBZ II. Die Sondage hat noch keinen Aufschluß über eine weitere Bebauung, wohl aber über den Erhaltungszustand des Bereiches Ostgrenze I-f-15-16 ergeben. Der Befund ist antik verbrannt, rezent dagegen ungestört. In den zukünftigen Ausgrabungen sind hier somit aufschlussreiche Einblicke in die mittel- und spätbronzezeitliche Siedlungsstruktur zu erwarten.

 
2.3 Erste Ergebnisse  

Zur Geschichte des Tempelbereiches und des Wohnviertels im Tempelbereich können wir inzwischen folgende Überlegungen festhalten: die Wohnsiedlung, so wie hier in der Fläche erfasst, datiert in die SBZ I. Der Kultbau und die Wohnsiedlung der Spätbronzezeit I lagen also einander unmittelbar benachbart.7 In der Phase SBZ II, der Zeit, in der auch die ägyptische Okkupation von Kumidi erfolgt, wird die Siedlung teilweise aufgegeben, so der Befund in den Arealen I-f-12 bis I-f-14 und darüber hinaus in der Nordhälfte der Areale I-g -13 und I-g-14. Die Häuser scheinen auf ein Niveau abgetragen worden zu sein, die Gasse setzte man zuund schuf somit einen eingeebneten Baugrund.

Nach Süden setzte sich die Nutzung des Viertels in der Spätbronzezeit II fort, wie mit der 2008 neu erfassten Mauer bzw. dem Gebäude, dem diese Mauer als Nordbegrenzung diente, aufgezeigt. Welche Funktion dem neuen Gebäude zukam, ob es ein Wohnhaus ist oder ein Gebäude der "Stadtverwaltung" bzw. des Kultes, werden wir mit den zukünftigen Arbeiten dort ermitteln. Die Sondagen im nördlichen Siedlungsbereich haben ferner ergeben, daß das spätbronzezeitliche Wohngebiet bereits in der Mittelbronzezeit II genutzt wurde - wie und in welcher Funktion, werden wir ebenfalls mit unseren zukünftigen Arbeiten aufzeigen.

In enger Verbindung mit den Arbeiten im Wohngebiet soll dann auch der mittelbronzezeitliche Bau in Areal I-f-16, bisher "Kultbau" genannt, auf größerer Fläche erfasst werden Die funktionale Analyse dieses Gebäudes dürfte zeigen, ob das Siedlungsstrukturkonzept der unmittelbaren Nachbarschaft von Kult und Wohnen bereits zur Mittelbronzezeit entwickelt worden ist, man also in der SBZ I diese Konzeption tradiert oder erstmals in der SBZ konzipiert hatte.
 

Stratigraphie

Die Untersuchungen von 2008 haben nicht nur gezeigt, daß der Standort der spät-bronzezeitlichen Siedlung (SBZ I) bereits zur Mittelbronzezeit genutzt worden ist. Auch hinsichtlich der Stratigraphie und Chronologie der spätbronzezeitlichen Siedlung selber sind neue Erkenntnisse gewonnen worden. Bis einschließlich 2007 konnten wir für die SBZ I zeitliche - Siedlung eine Bauschichten erfassen. Der Steinfußboden in Raum 1 / 1 des Hauses A von 2008 erweitert das chronologische und stratigraphische Spektrum der Bauschichten hier um eine weitere, ältere Bauschicht.9
 

Funktionen und Aktivitäten

In den Gebäuden der Wohnsiedlung sind bislang aufgefunden worden: Keramik, Bronzeschmuck, Steinperlen, Nadeln, Fibeln, Spinnwirtel, Speer- und Pfeilspitzen sowie Steingeräte (z.B. Hammersteine). Die Analyse der raum- und schichtspezifischen Verteilung hat im Sommer 2007 mit der Erarbeitung eines Konzeptes zur Aktivitätszonenanalyse begonnen (Seminar Heinz). Nach vorläufiger Sichtung der Inventare, die 2008 in den Sondagen erfasst wurden, fanden sich in den Räumen bzw. Häusern nördlich der Gasse auffällig viele Steingeräte. Dies hat die - vorläufige - Überlegung aufkommen lassen, ob sich hier, nördlich der Gasse, eine stärkere Konzentration auf die Ausübung von handwerklichen Aktivitäten erkennen lässt als im südlichen Siedlungsbereich. Sowohl in den spätbronzezeitlichen Schichten als auch in den MBZ II- Befunden dominiert in den Häusern südlich der Gasse die schon bekannte Zusammensetzung der Inventare, die wir allgemein mit der Ausführung von Haushaltsaktivitäten in Verbindung gebracht haben. Es ist sicher noch verfrüht, aus den vorläufigen Betrachtungen weitreichendere Aussagen hinsichtlich der Aktivitäten zu ziehen, die nördlich und südlich der Gasse ausgeübt wurden, das kann erst die eben begonnene detaillierte Untersuchung der Inventare und Befunde erbringen.
 

3. Der Palast 

(Areale I-i-14, I-i-15, I-i-16, III-a-15, III-a-16/Nord, III-a-15, III-a-16/Süd)
 

3.1 Wissenschaftliche Zielsetzung 

 Seit unseren Arbeiten 2007 im sog. Palastbereich ist bekannt, daß Kamid el-Loz bereits in der Mittelbronzezeit (MBZ II nach heutigem Wissensstand) über einen monumentalen Palast verfügte. Seit 2007 erforschen wir die Bauentwicklung beider Paläste - MBZ II und SBZ I/II. Am spätbronzezeitlichen Palast haben wir mit Mauer WP1 die westliche Außenmauer des Gebäudes erfasst, im Süden und im Norden blieben die Außenbegrenzungen 2007 noch unklar. 2008 sollten diese Bereiche untersucht und zudem der Frage nachgegangen werden, wie die bauliche Gestaltung westlich des Palastes ausgesehen hatte. Anlaß zu dieser Frage gaben kleine Anbauten an diese Mauer, die bereits 2007 erfaßt worden waren.

Im mittelbronzezeitlichen Gebäude sollte zum einen der massive Brandschutt aus Ziegeln abgeräumt werden, den wir 2007 in Areale III-a-16 in der oberen Lage präpariert hatten. Zum anderen sollte der mittelbronzezeitliche Palast in seinem weiteren Grundriß erfasst werden, was aufgrund des 2007 bereits ermittelten Befundes vor allem in den südlichen Arealen des Palastbereiches Erfolg versprechend schien.
 

3.2 Beschreibung der Befunde und erste Ergebnisse 

 3.2.1 Der spätbronzezeitliche Palast  

Der westliche und nordwestliche Bereich des spätbronzezeitlichen Palastes (siehe Taf. 2627282930)

In Areal III-a-15 begannen die Arbeiten 2008 mit Untersuchungen an den Mauern WP7 und WP2, die beide im Osten an Mauer WP1 angrenzen, nach Westen hin aber, so der Befund 2007, scheinbar ohne weiter Verbindungen zu anderen Strukturen abbrachen. Die Frage war, ob die fehlenden Verbindungen zu anderen Mauern durch Zerstörungen bedingt waren oder ob sich hier um die Folgen einer Bautechnik gehandelt hatte, also konstruktionstechnische Hintergründe vorlagen?

Zwei Merkmale lassen eher auf letztere Begründung schließen: Schon 2005 legten wir einen kleinen Raum mit Lehmziegelwänden frei, der an die Westseite der WP1 angebaut ist und den Platz zwischen den Mauern WP7 und WP2 nutzt. 2008 wurde nördlich der WP7 eine kleine Grube ausgegraben, die zwischen die WP7 und WP8 gebaut war. Aus diesem Befund ergibt sich folgender Eindruck: Die Mauern WP2 und WP7 wurden nicht als Mauern zur Begrenzung von Räumen gebaut, sondern um die WP1 abzustützen und zu stabilisieren. Eine solche Stütze könnte aus topographischen Gründen nötig gewesen sein. Die Profile in den nördlichen Bereichen der Areale III-a-16 und III-a-15 zeigen, daß der Hang westlich des Palastes während der spätbronzezeitlichen Nutzung relativ steil gewesen sein muß. Das hatte sich für uns schon mit der sog. Rote Schicht angedeutet, die wir 2002 mit unserem Tiefschnitt in den Arealen III-a-12-14 erfasst hatten und deren "jäher" Abfall nach Westen aufgefallen war. Unter solchen Umständen könnten bauliche Maßnahmen wie Stützmauern durchaus nötig gewesen sein. Nachdem der Palast während der Späten Bronzezeit II aufgegeben worden war, wurden kleinere Strukturen an die Außenmauer des Palastes angebaut und diese als rückwärtige Mauer genutzt, eine Nachnutzung, wie wir sie auch im Tempelbereich aufzeigen konnten. 

Schon 2007 haben wir den Verlauf der Mauer WP1 nach Norden verfolgt, dabei bereits festgestellt, daß diese dort in die auffallend schmalere Mauer WP9 übergeht und WP9 zugleich im Westen von der nahezu gleich starken Mauer WP8 flankiert wird. Mit unseren Arbeiten 2008 haben wir im Norden/ Nordwesten die Fortsetzung von Mauer WP8 bis an die Grabungsgrenze (10m Nord im Areal I-i-15) erfasst (mit Mauer w3/2008 (W) = Fortsetzung WP8).

Der südliche Teil der WP8 weist ein solides Steinfundament aus mindestens vier Schichten auf, WP8 ist, zeitgleich oder später, an WP7 angebaut worden, d.h. nicht mit WP7 verzahnt in einem Mauerverbund gebaut. In ihrem nördlichen Abschnitt ist die Mauer WP8 (= w3/2008 (W)) weniger solide gesetzt als im Süden, wird aber zugleich durch eine massive Steinsetzung nach Osten mit der schon 2007 erfaßten WP6 verbunden. Durch diese Querverbindung entsteht ein kleiner "Raum", der durch die Mauern WP7, WP8, WP9 und WP6 gebildet wird und vielleicht besser als "Hohlraum" bezeichnet werden sollte. Diese Benennung entspräche eher der Funktion, die wir mit diesem "Raum" verbinden. Wir sehen hier eine weitere Stützstruktur für die Außenmauern des spätbronzezeitlichen Palastes. Wie die Füllungen dieses "Raumes" gezeigt hat, scheint der Lehmziegelaufbau der Mauer WP9 nach Westen verstürzt zu sein. Diesen Versturz zwischen der neu gebauten Mauer und der älteren Außenmauer nutzte man als Verfüllung und Stütze. So gesehen, gehören die Strukturen zu der Nachnutzung der Besiedlung am Palast am Ende der Späten Bronzezeit II.

Bislang wurde der Verlauf der Mauer WP8 (= w3/2008) im Norden noch nicht weiter verfolgt. Die Mauer geht hier in eine massive Steinsetzung über, die bereits 2007 zu Teilen erfasst werden konnte. Die Steinsetzung erstreckt sich in den Arealen I-i-14 / I-i-15 über eine Ausdehnung von jeweils 4 m x 2m (und bis zu 1,7 m anstehend) (angelegt etwa im rechten Winkel zueinander (siehe Taf. 28-29) Diese "Steinanhäufung" (von einer solide gesetzten Mauer ist nicht zu sprechen, eher von einer dichten Anhäufung von Steinen) und WP8 gehen ineinander über. Um die Größe und Funktion der Steinanhäufung zu klären, wurden mehrere Schnitte geöffnet. Dabei fanden sich keine weiteren baulichen Hinterlassenschaften, die an die Steinstruktur anschließen. Die Steinanhäufung selbst wird von Süden durch eine harte Lehmkonstruktion abgestützt. Der "steinweise" Abbau dieser Steinanhäufung wird in der nächsten Kampagne zur "Trennung" der "Steinanhäufung" und der Mauer WP8 führen. Die Funktion der "Steinanhäufung" ist noch nicht zweifelsfrei geklärt - handelt es sich um eine weitere Stützmaßnahme wie die weiter südlich gelegenen?
 

Der Nord- Nordwestbereich des spätbronzezeitlichen Palastes

2007 haben wir im nördlichen Abschnitt des spätbronzezeitlichen Palastes bereits die Mauer WP6 (Areal I-i-15) erfasst, 2008 sollte der Bereich nördlich dieser Mauer weiter untersucht werden, dies mit dem Ziel, entweder den nördlichen Abschluß oder die Fortsetzung des Grundplans hier zu fassen und Aufschluß über die Bau- und Nutzungsgeschichte auch im Norden des spätbronzezeitlichen Palastes zu erhalten.

Die Sondierungen ergaben bisher, daß weitere spätbronzezeitliche Mauern im Abschnitt Areal I-i-15/Süd nicht erhalten waren, dagegen aber die Fortsetzung des mittelbronze-zeitlichen Gebäudes anhand einer massiven Brandschicht nachgewiesen werden konnte (siehe unten - Der Palast der Mittelbronzezeit).
 

Der Nord- Nordostbereich des spätbronzezeitlichen Palastes

Mit mehreren Sondierungen in Areal I-i-16/Süd haben wir das gleiche Ziel auch im östlichen Bereich des Palaststandortes verfolgt. Auch hier wollten wir sowohl die Gebäudestrukturen des spätbronzezeitlichen Palastes verfolgen als auch die Fortsetzung der älteren, mittelbronzezeitlichen Strukturen klären.

Im Fokus der Arbeiten lag zunächst die Mauer WP12-1, die zusammen mit den Mauern WP15 im Süden und WP14 im Osten einen Raum bildet (oder einen Hof - östlich der WP12-1 liegt ein tannur) und deren weiterer Verlauf geklärt werden sollte. Alle genannten Mauern haben Steinfundamente, die vermutlich einen Lehmziegelaufbau trugen.

WP12-1 (= w 9/2008 (W)) setzt sich nach Norden fort und bildet dort mit Mauer w7/2008 (W) die nordwestliche Raumecke (Hofecke) der Baustruktur. Eine Verbindung der Mauer w7/2008 (W) mit der schon 2007 teilweise freigelegten Mauer WP14 kann als sicher angenommen (aufgrund des anstehenden Osthangs dort aber nicht gegraben) werden. 2008 ließ sich also im Nordosten, in Areal I-i-16 / Süd, anders als im Nordwesten, ein weiterer Raum des spätbronzezeitlichen Palastes fassen.

Zwischen der westlichen Außenmauer des Palastes der SBZ und dem 2008 erfaßten Raum wurde bereits 2007 eine massive Lehmziegelsetzung freigelegt, die den gesamten Zwischenraum hier überbaute. Sondagen, abgetieft in diese steinharte Ziegelstruktur, ergaben, daß man mit dem Ziegelmassiv mehrere Mauerzüge überbaut hatte. 2008 haben wir dieses Ziegelmassiv weitgehend abgebaut und hier die Mauern w10/2008 (W) und die Verlängerung der Mauer WP17 freigelegt. Das Ziegelmassiv fand sich ehemals auch über der Mauer WP16. Zwar konnte keine klare Raumeinheit rekonstruiert werden, die Zugehörigkeit dieser Baustruktur zum Palast der SBZ steht dagegen außer Zweifel (Niv. der Mauern WP6 =943,75-943,17, WP17 943,9,-943,25 und WP12-1 = 943,4 – 943,8 , w10/2008 (W) = OK 943,7 -944,14;). In der Mauer WP17 befindet sich ein Durchgang, der den Raum von Osten her zugänglich macht. Zwischen den Mauern WP17 und WP12-1 wurde ein Lehmfußboden auf Niv. 943,05 erfasst.

 

Der Südbereich des spätbronzezeitlichen Palastes Areale III-a-15 und III-a-16/Süd
(siehe Taf. 30)

Im Jahr 2008 haben wir die Palastuntersuchungen in die südlichen Bereiche der Areale III-a-15 und III-a-16 ausgedehnt. Als Anhaltspunkte für die Untersuchungen dienten die Schichten des großen Südprofils in III-a-16/N, die im Nord-Süd-Verlauf aus III-a-15/N kommende SBZ - Mauer WP1 und das im Norden durch die Öffnung von Raum 9 gesicherte MBZ-Niveau.

Mauer WP1 konnte zunächst in ihrem Verlauf nach Süden auf einer Länge von 3,5 m erfaßt werden (= w1/2008 (M)). Diese Mauer w1/2008 (M) biegt nach Westen um.

Der erste neue veritable Baubefund in Areal III-a-16 / Süd bestand aus den beiden in ost-westlicher Richtung verlaufenden Mauern w2/2008 (M) und w3/2008 (M). Ihre Steinfunda-mente sind bis zu einer Höhe von sechs Lagen erhalten. Die erhaltenen Oberkanten beider Mauern verlaufen eben, die Mauern gründen jedoch im Westen auf einem augenscheinlich abschüssigen Gelände tiefer als im Osten (ca. 60 cm. Differenz). Sie bilden eine solide architektonische Struktur - die Nord- und Südmauer eines nur teilweise erhaltenen Raumes, für den bei Niveau 944,46 m ein Fußboden erfaßt werden konnte. Nach Westen brechen die Mauern w2/2008 (M) und w3/2008 (M) abrupt ab. Ursache der Störung ist eine rezent angelegt Grube in diesem Bereich. D.h. auch, aufgrund der Störung ist eine direkte Verbindung zwischen den Mauern WP1, w2/2008 (W) und w3/2008 (W) nicht mehr erhalten. Nach Osten konnte dagegen weiterer Aufschluß sowohl über die Konstruktion dieses Palastbereiches als auch über seine stratigraphisch - chronologische Zugehörigkeit ermittelt werden. Das Abtiefen des Befundes ergab, daß die Südmauer w3/2008 (M) auf einer massiven Packung verbrannter Lehmziegel (FS 29) gründete (Niv. max. 944,228). Es kann sich bei dieser verbrannten Ziegelmasse nur um die Überreste einer früheren Zerstörung handeln (s.u. Mittelbronzezeit).

Durch das Zurücksetzen des Ostprofils in Areal III-a-16 um ca. 60 cm wurde auf einer Länge von etwa 5,30 m Mauer w15/2008 (M) erfaßt und bis ans Südprofil von III-a-16 verfolgt. Der weitere Verlauf dieser Mauer in die topographisch durch den Friedhofshügel gegebene Grabungsgrenze hinein wird sich nicht sichern lassen. Das freigelegte Mauerstück ist für die Rekonstruierbarkeit der SB-zeitlichen Baustrukturen im Palastareal dennoch von großer Bedeutung. Die Mauer w15/2008 (M) läuft parallel zur Mauer WP1 und somit zugleich in der Ausrichtung abweichend von den Mauern des MBZ-Palastes (s.u.). Mauer w15/2008 (M) kann also kaum mit den 2,50 m nordwestlich und etwa 1,40 m. tieferen, gesicherten Sockeloberkanten der MBZ-Strukturen verbunden werden. Die Mauerunterkante von w15/2008 (M) wurde bislang nicht erreicht. Ihre erhaltene Sockeloberkante liegt zwar (im Südosten von Areal III-a-16/S)) mit etwa 1 m deutlich über der erhaltenen Sockeloberkante von WP1 (m Nordwesten von Areal III-a-15/S), ein Höhenunterschied, der sicher auf die oben schon erläuterte Hangsituation in diesem Bereich zurückzuführen ist. Stratigraphisch ist Mauer w15/2008 (M) eindeutig älter als die Mauern w2/2008 (M) und w3/2008 (M), d.h., die Strukturen w2/2008 (M) und w3/2008 (M) gehören somit auch stratigraphisch einer jüngeren Bebauungsphase der Spätbronzezeit an. Auch wenn bislang kaum datierbares Material zur Mauer w15/2008 (M) gefunden wurde, sprechen unsere Beobachtungen doch dafür, dass sie zeitlich mit WP1 korrespondiert. Die Signifikanz des Höhenunterschiedes wird letztlich an den Mauerunterkanten zu messen sein.

 

3.2.2. Der mittelbronzezeitliche Palast 

Areale III-a-15 und III-a-16/Nord (siehe Taf. 27313233)

2007 wurde zunächst in Areal III-a-16 / Nord eine große Anhäufung von verbrannten Lehmziegeln freigelegt. Flankierend zur Präparierung dieses verbrannten Schutts haben wir im Süden der Ziegelmasse eine Sondage eingetieft, die in der teilweisen Freilegung des ebenfalls stark verbrannten Magazinraums R 8 mündete.


2008 haben wir diesen verbrannten Ziegelversturz abgebaut, den Raum darunter, Raum 10, freigelegt, Raum 8 vollständig geöffnet und den nächsten nach Süden anschließenden Raum, R 9 zum größten Teil bereits bis auf den Fußboden abgetieft freilegen können.
 

Raum 10 (Taf. 33)

Beim Abtragen der verbrannten Ziegel erfassten wir 2008 zunächst die Mauer WP19, zugleich sowohl die südliche Begrenzung von Raum 10 als auch die nördliche Begrenzung von Raum 8. Es handelt sich um eine massive Steinmauer mit Lehmziegelaufbau von 1,40 m Breite, die bisher in sieben Schichten aus soliden Steinen erfasst ist. Ihre Unterkante wurde noch nicht erreicht. Der Lehmziegelaufbau ist noch in 5-10 Ziegelschichten erhalten. Im Ostprofil kann man erkennen, dass noch mindestens drei weitere Ziegelreihen zu rekonstruieren sind, die auf Grund des Brandes verstürzt sind. Der gesamte Versturz erreichte eine Höhe von ca. 3,50 m, gemessen von dem Fußbodenniveau von Raum 10 bis zur obersten Schicht des Lehmziegelversturzes. Ein Durchgang führt von Raum 10 zu dem südlich gelegenen Magazin Raum 8. Der Durchgang ist ca. 1 m breit, die Schwelle mit großen, behauenen Steinen ausgelegt.


Die östliche Begrenzungsmauer von Raum 10 werden wir nicht fassen können, da hier das Ostprofil ansteht, d.h. der Osthang, der die Grenze zum modernen Friedhof bildet. 

Die nördliche Begrenzung des Raumes 10 wurde ebenfalls noch nicht erfaßt, dafür sind in den folgenden Kampagnen die älteren spätbronzezeitlichen Strukturen zunächst abzutragen bzw. zu sondieren.

In gutem Erhaltungszustand befand sich die Westbegrenzung von Raum 10, Wp10, deren Steinfundament und Lehmziegelaufbau noch bis zu 1,60 m hoch anstehen. In Raum 10 stießen wir beim Abbau der verbrannten Ziegel, die den gesamten Raum gefüllt hatten, auf eine ca. 60-80 cm dicken Asche - Schicht, die unter dem Ziegelschutt lag und ihrerseits den gesamten Boden des Raumes bedeckt. Es wurde ein Fußbodenniveau erreicht, belegt durch die Installation im Nordostteil des Raumes 10, eine runde Steinstruktur aus sorgfältig gesetzten, behauenen Steinen, deren Funktion noch unklar ist Im Südwesten des Raumes 10 hatte sich eine massive Lage von verbrannten Holzbalken erhalten, (siehe Taf.33) die entweder einen Teil der Dachkonstruktion gebildet haben oder Teil einer Installation gewesen sind, die in diesem Teil des Raumes 10 (oder des Hofes 10?) errichtet worden war. Im Raum (Hof?) fand sich erstaunlich wenig Keramik. Die erhaltenen Gefäße und Fragmente datieren in die Mittlere Bronzezeit (MBZ II). Im Lehmziegelversturz hatten sich zudem einige Bronzenadeln aufgefunden.
 

Raum 8 (Taf. 3233)

Die Mauer WP19 bildet die Nordbegrenzung des Magazins. Die Rauminnenseite der Stein- Ziegelmauer ist stark verbrannt, die Steine sind durch Asche und Ruß geschwärzt. Wie in Raum 10 kann auch hier die östliche Begrenzungsmauer nicht ergraben werden, weil sie unter dem Ostprofil liegt. Die südliche Mauer WP11 wurde schon 2007 zum Teil freigelegt und dieses Jahr geklärt; sie ist verstürzt und besteht aus einem Steinfundament mit Lehmziegelaufbau, der immer noch in bis zu zwei Lagen erhalten ist. Die westliche Begrenzung bildet Mauer WP10-3, die sehr gut erhalten ist und den gleichen Aufbau wie Mauer WP11 zeigt.

Anders als Raum 10 befanden sich in diesem Magazin zum Zeitpunkt des Brandes immer noch das Inventar und die Installationen. Entlang der südlichen Begrenzungsmauer standen mindestens vier Vorratsgefäße, von denen drei auf einer Tonbank abgestellt bzw. in die hier angebrachten Mulden eingetieft waren. Die Vertiefungen hielten die Gefäße aufrecht. Kleinere Gefäße, Teller und Kannen, die als Schöpfgefäße gedient haben dürften, lagen entweder in den Gefäßen oder direkt vor diesen. (siehe Taf.32)

Ein weitere, mit Steinen belegte Tonbank steht entlang der östlichen Seite von Raum 8. Hier waren mindestens acht Vorratsgefäße aufgereiht und mindestens eine bemalte Kanne mit einem kleinen Fuß ist bisher als Schöpfgefäß nachzuweisen (nach der Restaurierung des Gefäßfragmente dürften weitere Schöpfgefäße hinzukommen). Eine dritte Reihe von drei Vorratsgefäßen war in der Mitte des Raumes aufgestellt, was erstaunlich erscheint, vor allem, da eines der Gefäße den Zugang zu Raum 10 versperrte. Während der Grabungen am Mauerabschnitt WP10-3 haben wir ein weiteres Vorratsgefäß in der Südwest-Ecke von Raum 8 aufgefunden; entlang der Mauer WP10-3 waren zudem mehrere kleinere Gefäße aufgereiht. Außer den Gefäßinstallationen fand sich in Raum 8 auch ein Tannour, d.h., dass Vorratshaltung und Essenszubereitung zu den hier ausgeübten Aktivitäten gehörten.
 

Raum 9 (siehe Taf. 33, oben)

Südlich von Raum 8 begannen wir 2008 mit der Freilegung des nächstens Raum, Raum 9. Bisher öffneten wir den Raum in einer Länge von ca. 3,50 m und einer Breite von ca. 3 m.

Die Mauer WP11 bildet die Nordbegrenzung. Die östliche Begrenzungsmauer von Raum 9 bildet eine weitere kleine Mauer, die noch in ihrem Steinfundament noch erhalten ist. Etwa auf Höhe der Mauerunterkante von WP10-3, der Westmauer des Raumes (Niv. 941,00), fand sich eine etwa 40 cm dicke Lehmziegelversturzschicht, auch hier gefolgt von einer charakteristischen bläulich-schwarzen Ascheschicht, unter der der südliche Abschnitt der Westmauer WP10-3 zu Tage kam. Das Niveau des verbrannten Fußbodens wurde auch in Raum 9 erreicht, bisher aber noch kein Durchgang zwischen den Räumen 8 und 9 gefunden. Die bisher erfasste Keramik entspricht dem Material aus Raum 8, vollständige Gefäße sind allerdings aus Raum 9 nicht bekannt.

Etwa 3 m südlich von WP11 konnte mit der Mauer w16/2008 (M) die südliche Begrenzung des Raumes gefasst werden. Mauer w16/2008 (M) ist sowohl in ihrem Steinsockel als auch in ihrem Lehmziegelaufbau sehr gut erhalten. Die östliche Mauer des Raumes 9 ist aufgrund der Lage des Ostprofils (Grenze zum rezenten Friedhof) nicht zu erreichen. Reste einer etwa 60 cm hohen und etwa 75 cm aus dem Ostprofil herausragenden Steinsetzung könnten von einer Installation an der ursprünglichen Raumwand zeugen. Die Südostecke von Raum 9 blieb 2008 wegen des darüber liegenden und 2008 noch untersuchten Mauerbefundes w15/2008 (M) zunächst ungeöffnet. Außer einer großen homogen mittelbronzezeitlichen Keramikkollektion wurden bislang keine signifikanten Funde in diesem Raum gemacht. Ein den anderen Räumen entsprechendes Bodenniveau wurde erreicht. Südlich von Raum 9, in der Flucht von WP10-3 lässt der Befund eine Fortsetzung der Steinsetzungen erwarten.

 

Strukturen des mittelbronzezeitlichen Palastes / Nord

Nördlich der Mauer WP6, die zum Palast der SBZ gehört, haben wir eine erste Sondage abgetieft, um Hinweise auf eine mögliche Ausweitung des Grundrisses des mittelbronzezeitlichen Palastes auf diesen Bereich zu fassen - mit Erfolg. In Areal I-i-15 konnten wir eine verbrannte Lehmziegelstruktur freilegen, die sich nach sorgfältigem Präparieren des verbrannten Materials als z.T. verstürzte und verkippte Lehmziegelmauer w8/2008 (W) erkennen und zugleich als die nördliche Fortsetzung der Mauer WP10-1 benennen lässt. Mauer WP10-1 selbst ist nur in ihrem Steinaufbau erhalten, den Lehmziegelaufbau können wir nun mit Mauer w8/2008 (W) ebenfalls nachweisen. Die Stein- Lehmziegelmauer w8/2008 (W) hat ihr Gegenstück im Osten des Areals I-i-16, welches wir dort mit der Steinmauer WP18 = w2/2008 (W) erfaßt haben. (Niv. w8/2008 = 942,23; w2/2008/ (W) max. 942,78). Die genannte Mauer WP18 (=w2/2008 (W)) wird in ihrem südlichen Abschnitt von der Lehmziegelmauer w1/2008 (W) überbaut. Die Mauer w1/2008 (W) verläuft in Ost-West-Richtung, sie wird wiederum ihrerseits von der spätbronzezeitlichen Mauer WP12-1 überbaut!

 

3.3 Erste Ergebnisse 

Beim heutigen Wissensstand lassen die Ergebnisse der Grabungen im westlichen und äußeren Bereich des Palastes darauf schließen, dass es im Gebiet des spätbronzezeitlichen Palastes nach dessen Aufgabe eine Nachnutzungsbesiedlung gab. Die Ausrichtung des spätbronzezeitlichen Palastes (Nordwesten) weicht geringfügig ab von der des mittelbronzezeitlichen Vorgängerbaus, der nach Norden ausgerichtet ist.

Die mittelbronzezeitlichen Strukturen, soweit bisher im Norden der Areale I-i-15 und I-i-16 und mit den Räumen 8, 9 und 10 (III-a-16/15) freigelegt, entsprechen im Hinblick auf den Bauaufwand dem des spätbronzezeitlichen Palastes. Den Grundriss betreffend ist der Palast der Mittleren Bronzezeit wohl beträchtlich größer als der spätbronzezeitliche Bau, soweit dieser aus den Grabungen der Universität Saarbrücken bekannt ist.

 

Chronologie nach Keramik und Kleinfunden

Die zwei Hauptbauschichten und chronologische Einordnungen sind durch die Keramik als in die Späte Bronzezeit I/II und in die Mittlere Bronzezeit II gehörig definiert.

 

Funktionen und Aktivitäten

Nachnutzungsaktivitäten werden für den Westen des Palast-Bereiches angenommen, nachdem das Gebäude in der Späten Bronzezeit II aufgegeben wurde. Allgemeine Palastfunktionen erfüllt das Gebäude sowohl der Späten Bronzezeit I/II als auch der Mittleren Bronzezeit II. Innerhalb des mittelbronzezeitlichen Palastes können wir im Moment zwischen einem Lagerraum (Raum 8) und möglicherweise einer Halle bzw. einem Empfangsraum (Raum 10) unterscheiden.

 

4. Kleinfunde - eine Auswahl 

Im Grabungsbereich Osthang wurden zwei anthropomorphe Terrakotta-Figuren bzw. Fragmente von solchen aufgefunden. Bei dem Stück aus Areal II-e-5, Fundstelle 7 (Taf. 34/1) handelt es sich um eine männliche Figur, bei der Haare und Oberlippenbart durch eine Bemalung angedeutet werden, der linke Arm ist angewinkelt und führt zum Mund. Die Fundsituation lässt auf eine Datierung in die Eisenzeit schließen. Das zweite Stück (Taf. 34/2) stammt ebenfalls aus Areal II-e-5 (Fundstelle 2) und kann anhand der assoziierten Keramik sicher in die Eisenzeit datiert werden. Die Gemeinsamkeit der zwei Figuren besteht in der Darstellung der Gesichter: Bei beiden Stücken sind die Augen durch einfache "Löcher" markiert, die Münder sind geöffnet. Die Nasen sind, wie im Profil erkennbar, spitz heraus modelliert und bilden eine Linie mit dem Kopf und der Stirn.

Vom Osthang kommen weiterhin einige erwähnenswerte Schmuckfunde. Aus Areal II-d-7 (Fundstelle 24) stammt ein bronzener Beinring, dessen Enden mit Tierköpfen verziert sind (Taf. 35). Identische Beinringe sind in den perserzeitlichen Gräbern von Kamid el-Loz belegt (Poppa 1978, 55 Typ1). Zwei gerillte Armreifen mit Wickelverschluss wurden in den Gräbern 7 (Areal II-d-6) und 2 (Areal II-d-7) aufgefunden, die in die hellenistische Zeit zu datieren sind (Taf. 36/a-b). Vergleichbare Armreifen sind aus zahlreichen Orten, wie z.B. Dura Europos bekannt (Musche 1988, 202 f. Typ 5).

Aus dem Palastbereich (Areal III-a-15/I-i-15) kommt eine ovale Scheibe aus Knochen mit eingeritzter Lotusblüte, die von konzentrischen Kreisen eingerahmt wird, zwischen denen Punkte eingedrückt sind (Taf. 36/c). Der Befund verweist auf eine Datierung des Stückes in die Späte Bronzezeit, wie durch Vergleiche aus Ugarit bestätigt wird (Gachet 1987 pl.5/42). Eine Kelle mit stilisiertem Entenkopf am Griffende wurde in Areal III-a-16 aufgefunden (Taf. 37 und 38). Ähnliche Kellen aus Bronze/Kupfer stammen aus den spätbronzezeitlichen Schichten 2-3 von Areal II-C-5 der Grabungsstelle II, X in Sarepta, (Pritchard 1988, Fig. 26/35, 36). Ein vergleichbares Objekt, eine Pfanne mit stilisiertem Entenkopf am Ende des Griffes, ist außerdem im "Schatzhaus" von Kamid el-Loz belegt (Miron 1990, Tf. 11/3).

Im Tempelbereich, dort in Fundstelle 8 von Areal I-g-13, wurde ein Idol aus Bronze aufgefunden (Taf. 39). Das vollständig erhaltene Stück ist durch einen spitzen Kopfaufsatz, eine rundliche Kopfform mit eingedrückten/eingeritzten Gesichtszügen sowie ein dünnes, spitz zulaufendes Unterteil gekennzeichnet. In Zusammenhang mit den "alten" Grabungen im Tempel fanden sich ähnliche Idole, die entweder aus Bronze- oder Silberblech gefertigt sind (Metzger 1993, Tf. 24-29).

 

II. Keramik 

In der Grabungskampagne 2008 wurden insgesamt über 25000 Scherben sowie zahlreiche vollständige/archäologisch vollständige Gefäße (siehe Keramiktafeln) bearbeitet. Alle Bauchscherben wurden nach Waren ausgezählt, für die Rand- und Bodenscherben sowie für die verzierten Keramikfragmente und die vollständigen/archäologisch vollständigen Gefäße wurden folgende Bestimmungen durchgeführt:

  • warentypologische Einordnung

  • Zeichnung und/oder formentypologische Bestimmung

  • Bestimmung sonstiger Merkmale wie Farben (per Munsell Soil Color Chart), Oberflächenbehandlungen, Herstellungstechnik.

Alle Scherbenkollektionen wurden darüber hinaus kurz charakterisiert, d.h. die Anzahl der joins wurde festgehalten sowie der Erhaltungszustand und die Größe der Scherben beschrieben. Diese Angaben dienen zusammen mit den stratigraphischen und architektonischen Befundbeobachtungen dazu, die Entstehungsprozesse der einzelnen Befunde detailliert erfassen zu können. Sie liefern wichtige Information in Bezug auf Fragen nach der funktionalen Interpretation der Befunde und geben nicht zuletzt Aufschluss darüber, ob es sich bei der jeweiligen Keramikkollektion um die Überreste eines Inventars handelt oder vielmehr um "Abfall", der während oder nach der Nutzung eines Gebäudes in den jeweiligen Kontext gelangt ist.

Gegliedert nach den Grabungsstellen "Osthang", "Tempel" und "Palast" werden im folgenden die wichtigsten keramischen Befunde der Grabungskampagne 2008 beschrieben.

 

1.Osthang

Keramik aus der Späten Bronzezeit II

Die spätbronzezeitlichen Keramikkollektionen des Areals II-d-7 enthielten einige Fragmente importierter Waren, darunter drei kleine Bauchscherben mykenischer Herkunft (FS 7, 19, 22) (Taf. 40 b-d). Sie weisen einen sorgfältig und sehr fein geschlämmten Ton auf und sind mit glänzender Farbe bemalt, entweder in dunkelgrau (Munsell: 10YR4/1, 7.5 YR 4/0) oder in rot (2.5 YR 5/6). Mykenische Importe kommen bisher nur am Osthang vor, die neuen Grabungen im Tempel- und im Palast-Bereich ergaben dagegen Fragmente importierter zypriotischer Waren (s.u.). Letztere sind neben den mykenischen Waren ebenfalls am Osthang belegt. So konnte 2008 in Areal II-d-7 (FS 20) ein Fragment eines milk bowl der zypriotischen white slip ware II aufgefunden werden (Taf. 40 a).

Insgesamt sind die spätbronzezeitlichen Keramikkollektionen des Areals II-d-7 wie auch die des benachbarten Areals II-e-7 durch vergleichsweise kleine Scherben mit abgeriebenen Bruchkanten gekennzeichnet. Bisher wurde in Haus 2 und auch in dem 2008 neu ergrabenen Raum, der zum Teil mit Steinplatten ausgelegt war, keine Keramik gefunden, die auf ein Inventar hinweist. Ein charakteristisches Merkmal der spätbronzezeitlichen Keramik aus den Arealen II-e-7 und II-d-7 ist ein (manchmal polierter) roter Überzug oder "wash". Bei den meisten Stücken handelt es sich um Bauchscherben, die bisher mit dieser Ware assoziierten Ränder verweisen auf Schalentypen. Vergleiche können in Sarepta gefunden werden, wo ähnliche Waren mit rotem Überzug von der Mittleren Bronzezeit (Stratum L, 17.-16. Jh. v. Chr.) bis in die Späte Bronzezeit hinein (Stratum J, 1425-1320 v. Chr.) auftreten (Anderson 1988, 344 f.). 

Aus der Fundstelle FS 9 im Areal II-d/e-6 Ost stammen zwei Fragmente eines mykenischen Bügelgefäßes, eines sogenannten stirrup jars, mit roter (10 R 5/6) Streifenbemalung (Taf. 40 e). Vergleichbare Gefäße finden sich in zahlreichen levantinischen Orten. In Tall Kazel an der syrischen Küste ist z. B. ein identisches Stück in Schicht 6 (area II) belegt, die an den Beginn der Spätbronzezeit II datiert wird (Badre 2006, Fig. 12/10).

 

Keramik aus der Eisenzeit I-II

In den Arealen II-e-5/II-e-6 konnte ein keramisches Inventar geborgen werden, das aus fünf vollständigen/archäologisch vollständigen Gefäßen und größeren Fragmenten von mindestens zwei weiteren Gefäßen bestand (Taf. 41424344). Zu den vollständig erhaltenen Stücken zählt ein Räuchergefäß mit drei Füßen und einer siebartigen Durchlöcherung im oberen Bereich sowie roten Malstreifen (Taf. 41 a). Vergleichbare Stücke kommen z.B. im palästinensischen Tell el-Far'ah in Niveau VII c vor, das an den Beginn des 9. Jh. v. Chr. datiert wird (Chambon 1984, Pl. 54/12). Auch die älteren Grabungen in Kamid el-Loz erbrachten ähnliche Gefäße (Marfoe 1995, Fig. 105/9-11). Vier Henkelgefäße mit Kleeblattausguss, zwei davon mit einfachen Malstreifen, gehören ebenfalls zu diesem Inventar (Taf. 41 b4243 a).

Außerdem wurden in sehr großer Anzahl im Kontext derselben Bauschicht Scherben von Pithoi mit horizontal und wellenförmig angebrachten, plastischen Linien gefunden. Dieselbe Art von Verzierung kommt in den Strata F und E von Sarepta vor, die zwischen 1200 und 1025 v. Chr. datieren (Anderson 1988, 323 f.). Weitere Belege für die eisenzeitliche Bauschicht 3 wurden in den Arealen II-d-5 und II-d-6 gefunden, ebenfalls hauptsächlich Pithosfragmente mit plastischer Verzierung. Der Tiefschnitt in Areal II-d-6 erbrachte ältere eisenzeitliche sowie spätbronzezeitliche Keramik (Fundstellen II-d-6, FS 12 und 13).

 

2.Tempel-Bereich

Keramik aus der Mittleren Bronzezeit II

Ein Hauptziel der diesjährigen Grabungen im Tempel-Bereich war es, die nächst ältere Bauschicht zu erreichen, die dem Wohngebiet der Späten Bronzezeit I voranging. Nördlich und südlich der Straße wurden deswegen mehrere Räume "geschnitten", die sichere Belege für die Mittlere Bronzezeit II erbrachten. Nördlich der Straße handelt es sich dabei um die Räume Rt13 und Rt8 sowie um den Bereich nördlich der Mauer wt50. Südlich der Straße wurde in den Räumen/Höfen Rt/Ct1/1, 6, 19, 5, und 3 abgetieft. Die mit diesen Kontexten verbundene Keramik ist durch Waren mit Kammstrichverzierung, sogenannte double strand handles und zahlreiche Ränder (Taf. 45) gekennzeichnet, die enge Parallelen in den mittelbronzezeitlichen Schichten des an der nördlichen Küste des Libanon gelegenen Tall Arqa finden, dort Phase M (Mittlere Bronzezeit II) (Thalmann 2006).

Mittelbronzezeitliche Schichten wurden außerdem in Areal I-f-15 erreicht. Erwähnenswert sind vor allem die Überreste eines stark zerscherbten, größeren Gefäßes, das vollständig mit einem roten Überzug versehen war und ähnlich in Sarepta vorkommt (Anderson 1988, 344 f.).

 

Keramik aus der Späten Bronzezeit I

Die Keramik aus dem Wohngebiet der Spätbronzezeit I wurde in Ausschnitten bereits in mehreren Aufsätzen vorgelegt.10 Insbesondere erwähnenswert aus der Kampagne 2008 ist ein keramischer Befund, der in Raum Rt1/1 des Wohngebietes angetroffen wurde. Dort wurden zwei Gefäße in situ aufgefunden, eines davon vollständig und mit Bemalung (Taf. 19). An Hand der Ware, der Form und v.a. der Bemalungsmuster des südlichen der zwei Gefäße (Taf. 46-47) kann der Befund an den Beginn der Späten Bronzezeit I datiert werden.11 Die bichrome Bemalung des Gefäßes (2.YR4/0 und 10R5/6) ist auf tongrundig verstrichener Oberfläche angebracht (2.5YR6/6). Beide Gefäße gehören einer vorwiegend mineralisch gemagerten Ware an und sind auf der schnellen Scheibe gefertigt worden. Die Keramikkollektion aus der Schicht direkt unterhalb der zwei Gefäße enthielt bereits homogen mittelbronzezeitliches Material (Areal I-f-14, FS 104). Ebenfalls in Raum Rt1/1, in Fundstelle 101, die unmittelbar oberhalb der Gefäße lag, wurde ein größeres Fragment einer bemalten Knickwandschale mit Henkel aufgefunden (Taf. 48 a). Das handgemachte Stück kommt ähnlich in der Füllschicht des ältesten spätbronzezeitlichen Tempels T3d vor (Metzger 1993, Tf. 76/14). Zum Repertoire der 2008 im Wohngebiet der Spätbronzezeit I aufgefundenen Keramik zählen außerdem rundwandige Schalen mit Ringboden (Taf. 48 b) oder Schalen mit drei Schlaufenfüßen (Taf. 48 c). Weiterhin stammen aus dem Wohngebiet zahlreiche bemalte Scherben, häufig mit vertikal verlaufenden Wellenlinien (Taf. 48 d-e49 a-b).

 

Keramik aus der Späten Bronzezeit II

In Areal I-g-14 fanden sich Belege für jüngere spätbronzezeitliche Strukturen, welche das Wohngebiet der Späten Bronzezeit I überbauen. Erste Keramikauswertungen datieren diesen Kontext in die Späte Bronzezeit II. Neben einem kleinen Fragment zypriotischer base ring ware II (Taf. 49 d) fand sich in derselben Fundstelle von Areal I-g-14 ein Randstück einer Schale (Taf. 49 c), die von K. Kopetzky12 als "ägyptisierend" eingestuft wurde. Die Scherbe unterscheidet sich nicht nur formentypologisch von dem "lokalen" spätbronzezeitlichen Material, auch in Bezug auf die Ware lassen sich deutliche Unterschiede erkennen: Anders als der Großteil der spätbronzezeitlichen Waren ist dieses Stück mit auffallend viel Häcksel gemagert. Ebenfalls aus diesem Kontext stammt eine mit geometrischem Muster bemalte Randscherbe (Bemalung rot, 2.5YR4/6, auf rot-braunem Tongrund, 5YR7/4) (Taf. 49 e).

 

3. Palast-Bereich


Keramik aus der Mittleren Bronzezeit II

In Raum 8 des mittelbronzezeitlichen Palastes wurden in den Kampagnen 2007 und 2008 insgesamt zehn Vorratsgefäße13 in situ (Taf. 32) zusammen mit zahlreichen kleineren Gefäßen wie Schalen und dünnwandigen Bechern gefunden. Charakteristisch für die Vorratsgefäße sind gewellte Ränder und dicke, flache Böden. Der untere Bereich der Gefäße weist meistens Spuren von Schnureindrücken auf; vermutlich handelt es sich dabei aber nicht um eine Verzierung, vielmehr dürfte dies mit dem Herstellungsprozess zusammenhängen. Insgesamt kann eine starke Normierung der Gefäße beobachtet werden. Dies trifft insbesondere auf die einfachen Schalen mit innen verdicktem Rand und geglätteter innerer Oberfläche zu (Taf. 50 a-d). Auch die Größe der Schalen scheint in gewissem Maße "standardisiert" gewesen zu sein, was auf eine spezifische Funktion innerhalb des Palastkontextes hindeuten könnte. Das gemeinsame Vorkommen dieser Schalen mit zahlreichen Vorratsgefäßen legt die Vermutung nahe, dass die Schalen als Rationsgefäße gedient haben könnten. Die dünnwandigen Becher (Taf. 51-52, Taf. 53 a-b) sind ebenfalls durch sorgfältig bearbeitete Oberflächen gekennzeichnet. Sie weisen häufig vertikale (im Schulterbereich) und horizontale Glättungsstreifen (vom Schulterumbruch bis zum Gefäßboden) auf. Die Schalen und Becher haben zahlreiche Parallelen in Fundkontexten der Mittleren Bronzezeit II, so z.B. in Tall Arqa (Thalmann 2006, Pl. 95-99) oder auch in Beth Shean (Maeir 2007, Pl. 2, 3). In Raum 8 wurde außerdem ein Gefäß, bemalt mit Streifen, Punkten und Zickzack-Linie (Taf. 54 a), neben einem Pithos gefunden. Das kleine Gefäß mit Henkel und Knopffuß ist bisher einzigartig im mittelbronzezeitlichen Kontext des Palast-Bereiches. Gute Parallelen konnten nicht gefunden werden. Ein weiteres Unikum stellt eine Schale mit geslipter, vertikal geglätteter Innenseite und floraler und zoomorpher (Gazellen/Antilopen?) Bemalung dar (Taf. 54 b). Vergleichbare Maldekore finden sich nur vereinzelt, so z. B. in mittelbronzezeitlichem Kontext in Beth Shean (Maeir 2007, Pl. 11/1). Auch nordsyrische/kilikische Waren der Mittleren Bronzezeit zeigen ähnliche zoomorphe Motive, allerdings vornehmlich in Zusammenhang mit größeren Krügen, wie z .B. in Ebla (Matthiae 1989). Aus dem benachbarten Raum 9 stammen ebenfalls zahlreiche Gefäße, darunter die auch im Raum 8 belegten Schalen- und Bechertypen (Taf. 55). Darüber hinaus wurde in einer kleinen Sondage in Areal I-i-15 ebenfalls die Mittlere Bronzezeit erreicht. Mit Fundstelle 26 war eine umfangreiche keramische Assemblage assoziiert, die fast 500 Scherben enthielt. Einige größere Fragmente stammen vor allem von Schalen mit innen verdicktem Rand und geglätteter Innenseite, die identisch mit den Schalen aus den südlich davon gelegenen Räumen 8 und 9 sind.

 

Areale III-a-15/Süd und III-a-16/Süd: Keramische Abfolge von der Späten Bronzezeit II bis zur Mittleren Bronzezeit II

In den Arealen III-a-15/Süd und III-a-16/Süd wurde eine Folge von Besiedlungsschichten ergraben, die nach Ausweis der Keramik von der Späten Bronzezeit II bis zur Mittleren Bronzezeit II reicht. Die obersten Schichten sind charakterisiert durch Waren und Formen, die zahlreiche Vergleiche in den spätbronzezeitlichen Palästen P5-P1 und in den Tempeln T3-T1 der "alten" Grabungen finden. Darunter fand sich ein Fragment der zypriotischen white slip ware II (Taf. 56 a) sowie eine größere Scherbe eines bikonischen Gefäßes mit dunkelroter (5YR3/2) Bemalung auf rotbraunem (5YR6/6) Tongrund (Taf. 56 b). Die Keramik der mittelbronzezeitlichen Schichten zeigt zahlreiche Übereinstimmungen mit derjenigen aus den Räumen 8 und 9 im benachbarten Areal III-a-16/Nord (Taf. 56 c).

 

Spätbronzezeitliche Keramik aus dem Palast-Bereich: Varia

Im Jahr 2005 wurden in Areal III-a-15 mehrere Scherben eines Gefäßes einer mittelfeinen Ware mit figurativer Bemalung gefunden (Wagner 2006, 93). In der diesjährigen Kampagne kamen weitere Scherben dieses Gefäßes zutage. Die Bemalung zeigt ein Wagenlenkermotiv mit einem zweirädrigen Wagen, vor den mindestens zwei Zugtiere gespannt sind (Taf. 57).14 Auf dem Wagen steht eine Person, welche die Zügel hält. Davor befinden sich zwei weitere Personen, darunter ein Bogenschütze. Das Stück ist bislang einzigartig in Kamid el-Loz, ein ähnliches Motiv kommt in Tall Kazel vor, dort allerdings auf einem mykenischen Importgefäß (Badre 2006, Fig. 12). Aus Areal III-a-15/I-i-15 kommt eine weitere Randscherbe der zypriotischen white slip ware II (Taf. 58 a.). Die Keramikkollektionen von Areal I-i-16 enthielten zahlreiche bemalte Scherben (Taf. 58 b59 a), eine (archäologisch) vollständige Schale mit Pokalfuß (Taf. 59 b) hat gute Vergleiche in der Tempelphase T3d aus der Späten Bronzezeit I (Metzger 1993, Tf. 78/1-2).

 

III. Philologische Bemerkungen zu dem Fundstück II-e-7/FS 7/KL 1 (R. Pruzsinszky) 

Ein bemerkenswertes Knochenartefakt (KL115/FS716/II-e-7) (siehe Taf. 60) wurde aus dem Segment eines Metapodiums (Schaf oder Ziege) hergestellt. Das obere und untere Ende der Objekt-Rückseite wurde durch Sägen und anschließendes Wegbrechen entfernt. Zurück blieb ein ca. 0,5 cm breiter Mittelsteg, der eine Art Öse bildet und vermutlich zum Anhängen oder Befestigen an einer Schnur gedacht war. Die Frontseite des Objektes, die an drei Seiten leicht abgesetzt ist zeigt feine, ungeregelte Ritzspuren und offenbar intentional eingravierte Linien und Kerben.

Im Zentrum des Objektes befinden sich zwei senkrechte parallel eingeschnittene keilförmige Zeichen. Beide werden durch eine von rechts nach links tief eingeschnittene horizontale Linie begrenzt, an die wiederum zwei kurze, von oben nach unten gezogene parallele Linien anschließen. Letztere sind keine Fortsetzung der keilförmigen Zeichen, und sind daher getrennt von diesen zu betrachten. In wohl umgekehrter Orientierung schließt direkt an die linke der senkrecht eingeschnittenen Linien ein eingeritztes dreiecksförmiges Zeichen an. Bei letzterem Zeichen könnte es sich um einen Buchstaben (r oder b) der (phönizischen?) Buchstabenschrift handeln.

Die beiden schräg eingetieften Einschnittspuren rechter Hand der beschriebenen Zeichengruppe können nicht klar als Keilschrift(förmige) Zeichen bestimmt werden. Bei den beiden senkrechten Einschnitten in der rechten oberen Ecke könnte es sich um intendierte Einritzspuren handeln. Der Rest der sichtbaren Ritzungen ist wohl durch unsorgsame und schnelle Bearbeitung des Knochenstückes, das aufgesteckt oder aufgefädelt war, entstanden. Die beschriebenen Zeichen können lediglich als Markierungen gedeutet werden, deren Bedeutung uns verborgen bleibt (Vgl. etwa Versatzmarkierungen, die allerdings stets auf der Rückseite eines Elfenbein-/Knochenobjektes angebracht sind); es könnte sich aber auch um eine Besitzmarke oder um Zahlzeichen handeln, deren Kontext oder Bezug nicht erschließbar wird.

Interessant und ungewöhnlich zugleich ist die Verwendung zweier unterschiedlicher Zeichensysteme auf einem Artefakt, die offenbar (nach vorliegender Interpretation) in unterschiedlicher Orientierung angebracht waren. (Vgl. Literatur zu Versatzmarkierungen siehe in der folgenden Literaturliste) 

Geknickte Bogenfibeln sind nur in der frühen Phase (490-465 v. Chr.) des perserzeitlichen Friedhofs (Saarbrücker Ausgrabungen) in Kamid el-Loz belegt. Hachmann, R., Penner, S., 1999, Kamid el-Loz 3. Der eisenzeitlichen Friedhof und seine kulturelle Umwelt. SBA 21. S. 353 f.  
2 Zur Bezeichnung der Mauernummern wird ab 2008 folgendes System gewählt: jeder Grabungsbereich nummeriert die neu erfaßten Mauern von 1 / Jahreszahl durchlaufend neu. Zugleich erhält jeder Grabungsbereich einen Buchstaben zur Kennzeichnung, um Dopplungen der Mauernummern dort zu vermeiden, wo mehrere Grabungsstellen eines Bereiches bearbeitet werden Am Osthang werden die Mauern also folgendermaßen bezeichnet: w 1 / 2008 (V = 2008 die Bezeichnung für den Westbereich) oder w 1 / 2008 (L) (die Bezeichnung für den Ostbereich). Diese Art der Nummerierung macht das Arbeiten auf dem Tell einfacher, es werden keine bereichsübergreifenden Mauerlisten mehr geführt und damit eine potentielle Fehlerquelle in der Dokumentation ausgeschlossen. Möglich wurde diese Mauerkennzeichnung pro Jahr und Grabungsstelle, weil mit der Erstellung unseres BAAL-Berichtes ein übergeordnetes Bezeichnungssystem für die Mauern aufgebaut wurde. Nach jeder Kampagne wird von zentraler Stelle aus in der Nach-Grabungszeit die Aktualisierung der Mauernummern im Gesamtplan durchgeführt. Diese Dokumentation des Baubefundes hat sich bewährt. 
3 Zur Stratigraphie und Chronologie des Osthangs siehe unseren Bericht: Kamid el-Loz. Intermediary between the cultures. 10 Years of excavation at Kamid el-Loz. BAAL Hors Série, welcher der DFG in einer deutschsprachigen draft-Version vorliegt.
4 Ein ähnlicher Bau wurde in Beth Shean aufgefunden und in die byzantinische Zeit datiert. Hinweise auf eine entsprechende Datierung in Kamid el-Loz liegen jedoch bislang nicht vor. Mazar, A. / Panitz-Cohen, N. 2006: Area S: The stratigraphy and architecture of the Iron Age IIA and later structures; in: Mazar, A. (ed.),Excavations at Tel Beth Shean 1989-1996. Volume I. From the Late Bronze Age IIB to the Medieval Period, The Hebrew University of Jerusalem. The Institute of Archaeology. The Beth-Shean Valley Archaeological Project Publication No.1, 197, Fig. 7.6
DFG - Bericht Kampagne 2007, Tafel XII
6 In Areal I-f-16 haben wir mit unseren Arbeit bereits eine Arbeitsfläche sowie ein Gebäude mit mehreren Bauzuständen freigelegt: siehe Heinz, M. et al., 2001, Kamid e-Loz in he Beqa’a plain / Lebanon. Conitunity and Change in the settlement of a region. Siehe auch in einer neueren Bearbeitung den sich im Druck befindlichen BAAL Hors série Sonderband.
7 Metzger, M., 1991, Kamid el-Loz 7. Die spätbronzezeitlichen Tempelanlagen. Stratigraphie, Architektur und Installationen. SBA 35. Bonn
8 Siehe dazu Kapitel II Keramik
Die bisherige Zählung der Bauschichten in den Wohnhäusern im Tempelbereich, Bauschicht 1-5 (siehe Sonderband BAAL Hors série im Druck), wird um mindestens eine SBZ I-zeitliche Bauschicht auf sechs Bauschichten erweitert.
10 Siehe Kulemann-Ossen 2004, 108-111; Kulemann-Ossen in Druck; Kulemann-Ossen 2006.
11 Der Hinweis zur Datierung der Gefäße stammt von H. Charaf-Mullins, die ähnliche Keramik aus entsprechenden Schichten der frühen Spätbronzezeit I in Tall Arqa bearbeitet hat.
12 Karin Kopetzky, Ägyptologin, ist langjährige Mitarbeiterin in dem von Manfred Bietak geleiteten Ausgrabungsprojekt Tell el-Dab’a/Ägypten und hat u.a. hat im SCIEM 2000-Projekt mitgearbeitet. Frau Kopetzky hat uns während der diesjährigen Grabungskampagne besucht und sich die Zeit genommen, die Keramik nach ägyptischen Importen sowie "ägyptisierenden" Stücken durchzusehen.
13 Es ist mit einiger Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es sich um mehr als um 10 Vorratsgefäße handelte. Die genaue Anzahl wird nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten im nächsten Jahr feststehen.
14 Die Zeichnung auf Tafel 57 wurde 2008 neu angefertigt und weicht von der bereits publizierten Zeichnung (Wagner 2006) ab.
15 Maße: L: 2,9 cm; B: min. 2,4 cm max. 3 cm; Querschnitt: 1,9 cm - 2,7 cm
16 Stegabbau

 

IV. Literatur: 

Anderson, W.P. 1988, Sarepta I. The Late Bronze Age and Iron Age Strata of Area II, X; Beirut.

Badre, L. 2006, Tell Kazel-Simyra: a contribution to a relative chronological history in the Eastern Mediterranean during the Late Bronze Age; in: BASOR 343, August 2006, 65-95.

Chambon, A. 1984, Tell El-Fara’ah I. L’âge du Fer; Editions Recherche sur les Civilisations, "Mémoire" no 31.

Gachet, J. 1987, Objets en os et en ivoire. Yon, M. (ed.), Le centre de la ville. Ras Shamra-Ougarit III. 38e-44e campagnes (1978-1984) ; Editions Recherche sur les Civilisations, Paris, 249-272.

Hachmann, R., Penner, S. 1999, Kamid el-Loz 3. Der eisenzeitlichen Friedhof und seine kulturelle Umwelt. SBA 21.

Howard, M.,1955, Technical Description of the Ivory Writing Boards from Nimrud, Iraq 17 (1955) 14-20.

Kulemann-Ossen, S. 2004: II. The northwestern vicinity of the Bronze Age Temples (areas I f 12-I f 14); in: M. Heinz et.al, Kamid el-Loz in the Beqa’a plain / Lebanon. Excavations in 2001, 2002 and 2004, BAAL 8, 105-111.

Kulemann-Ossen, S. 2006: Notes on Late Bronze Age Pottery from Kamid el-Loz, BAAL 10, 97-101.

Kulemann-Ossen, S. in Druck: New Results on Late Bronze Age Pottery from Kamid el-Loz/Lebanon; in: Orient-Archäologie, Band zum workshop "Recent trends in the study of Late Bronze Age Ceramics in Syro-Mesopotamia and neighbouring regions" (Deutsches Archäologisches Institut, 02.11. bis 05.11. 2006).

Maeir, A. 2007, The Middle Bronze Age II Pottery ; in : A. Mazar/R. Mullins (ed.), Excavations at Tel Beth-Shean 1989-1996. Volume II. The Middle and Late Bronze Age Strata in Area R, The Hebrew University of Jerusalem. The Institute of Archaeology. The Beth-Shean Valley Archaeological Project Publication No.2.

Marfoe, L. 1995, Kāmid el-Lōz 13. The Prehistoric and Early Historic Context of the Site; Saarbrücker Beiträge zur Altertumskunde Band 41.

Matthiae, P. 1989, Jugs of the North-Syrian/Cilician and Levantine Painted Wares from the Middle Bronze Age II Royal Tombs at Ebla; in: Emre, K. et al. (eds.), Anatolia and the Ancient Near East: Studies in Honor of Tahsin Özgüc, Ankara, 303-313.

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