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"Urartu" vs. "Biainili"

Der Name Urartu, der über die Bibel in den westlichen Sprachgebrauch eingegangen ist, stammt aus Assyrien. Gleichermaßen ist die Zugangsweise, die moderne Forschende auf das Reich Urartu haben, ursprünglich geprägt von der Sicht der Assyrer, die das Land kurUrarṭu im Norden ihres Herrschaftsgebietes beschreiben. Dabei ist das Bild und das Verständnis einer Gesellschaft außerhalb der Grenzen des eigenen Landes ein Besonderes. In diesem konkreten Fall ist die Grenze eine sehr starke und mächtige: das Südost-Taurus-Gebirge, zum Teil bis zu 4000m hoch, an das sich, aus assyrischer Sicht, das hinter der Grenze liegende Urartu anschließt.

Man könnte nun erwarten, dass der Blick auf dieses außerhalb der eigenen Grenzen liegenden Landes ein eher misstrauischer und abwertender ist, aber dem ist nicht so. Schon in den mittelassyrischen Feldzugsberichten wird das urartäische Gebiet „assyrisiert“, die Sichtweise auf das eigene kulturelle und organisatorische Umfeld wird auf das Land hinter der Grenze übertragen. So entspricht das Image, das assyrische Quellen vom Nachbarn Nairi bzw. dem kurUrarṭu erzeugen, sehr dem Assyriens selbst: ein zentralisierter Staat, unter zunächst mehreren, dann nur noch einem einzigen König (šarru), aufgeteilt in Provinzen (nagû), mit einem differenzierten Beamtenapparat.
Wie weit dieses Bild den tatsächlichen Umständen in Urartu nahe kommt ist eine andere Frage. Schon der Name, den die Urartäer selbst ihrem Land geben, ist ein anderer: kurBiainili.
Im Rahmen des Projektes „Urartu“ vs. „Biainili“ soll aufgezeigt werden, inwieweit das von den Assyrern kreierte Bild den Umständen in Urartu tatsächlich nahe kommt. Als Quellen dienen die assyrischen Königsinschriften sowie die sog. „Geheimdienstkorrespondenz“ von der assyrisch-urartäischen Grenze auf der einen Seite, sowie die urartäischen Befunde und Königsinschriften auf der anderen Seite.
 
Kontakt: Julia Linke ( julia.linke@orient.uni-freiburg.de)

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